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Letzte Änderung:
May 14. 2010 21:44:26

Zitat 71: Unbenanntes Dokument Wenn man mich fragt, warum ich reise, antworte ich: Ich weiß wohl, wovor ich fliehe, aber nicht, wonach ich suche. Michel de Montaigne, (1533 - 1592), eigentlich Michel Eyquem, Seigneur de Montaigne, französischer Philosoph und Essayist

 

 

 

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and Teresa

Angola

"Ndele, Ndele" rufen die Kinder wenn wir vorbeifahren. Weißer heißt das. Oder rufen sie "Dollar"? Wir zweifeln, als eine Frau bei dem Ruf die Handfläche nach oben gekehrt den Daumen an den anderen Fingerspitzen reibt. Oder haben wir es verwechselt und sie macht das Zeichen für Essen - was letztlich auf das selbe hinausläuft und was wir die letzten zwei Wochen in den Kongos so oft gesehen haben, gefolgt vom eindeutigen Zeigen auf den Bauch. Aber bald schon verflogen diese Gedanken, wir trafen auf aufgeschlossene, freundliche Menschen, die einfach nur nett waren. Aber bald schon hatten wir andere Sorgen, es hatte geregnet und wir sind in eine Pfütze gefahren. Ganz heiß wurde uns plötzlich als wir stehen blieben und das Gefühl hatten, dass das eine Rad den Bodenkontakt verliert und wir umzukippen drohten. Wie im Film kletterten wir nach oben vorsichtig aus dem Wagen, von außen sah die Situation allerdings nicht weniger bedenklich aus. Aber als der Schreck überwunden war konnten wir uns dann doch vorsichtig wieder rausmanövrieren.

Nach Angola hineinzukommen war rückblickend gar nicht so schwierig, ich hatte mir mal wieder viel zu viele Sorgen gemacht. Es gibt von unterwegs halt kein reguläres Touristenvisum zu besorgen, sondern nur ein 5 Tages Transitvisum, damit muß man sich abfinden. Und das gibt es nur in Matadi, also praktisch an der Grenze. Es wäre halt beruhigend gewesen, es vorher schon in der Tasche zu haben und nicht erst bei der letzten Möglichkeit darauf angewiesen zu sein. Sollten den Angestellten im Konsulat bei der Befragung nach Namen von Onkeln und Tanten sowie dem Alter der Geschwister Zweifel kommen kann die Reise hier zu Ende sein. Und es sind nur 5 Tage Aufenthalt, nicht mal genug um im Sauseschritt das Land zu durchqueren. Schon gar nicht in der jetzt einsetzenden Regenzeit und Straßen, die zwar zunehmend nach Ende des Bürgerkriegs von allgegenwärtigen chinesischen Firmen neu asphaltiert wurden, zum weitaus größeren Teil aber seit der Kolonialzeit unverändert sind und in den darauf folgenden 27 Jahren Bürgerkrieg sicher nicht besser wurden. Die 5 Tage haben uns gerade mal gereicht, um bis in die Hauptstadt zu kommen, wir unterbrachen die Fahrt allerdings gerne, auf abgelegenen Pfaden entlang der Küste einige der wunderschönen Strände mit erfrischendem kristallklaren Wasser genießen zu können

Abgetaucht in einer PfützeMinenfeld in AngolaStrand im Norden von Angola

In Angola ist erst im Jahre 2002 ein seit der Unabhängigkeit von Portugal währender Bürgerkrieg beendet worden, dem eine halbe Million Menschen zum Opfer fiel und der eines der rohstoffreichsten Länder Afrikas in einem desolaten Zustand hinterließ. 40% der Gesamtbevölkerung, also rund 4 Millionen Menschen, sind vertrieben worden, auf dem Land sieht man kaum Schulen; die wenigen, die wir sahen waren fast durchweg frisch errichtet und hatten ein Logo der UNO aufgemalt. Die Versorgung mit frischem Wasser ist im dörflichen und vielfach auch im kleinstädtischen Bereich quasi nicht-existent, dafür sind nach wie vor Teile des Landes vermint. Luanda, die Hauptstadt des Landes, wirkt - im Geschäftszentrum - ausgesprochen modern, sie gilt als eine der teuersten Städte der Welt, überall wird gebaut, alte Gebäude aus der Kolonialzeit werden aufwendig restauriert, es wird sogar ein neuer Strand aufgeschüttet. Abseits davon, nein eigentlich eher unmittelbar angrenzend, in Richtung Hafen, überzieht ein Meer von rostigen Wellblechdächern die Hügel, so daß wir die Viertel der Wohlhabenden beim Durchfahren der Stadt kaum mehr wahrgenommen haben. Viele Menschen haben während des Kriegs ihre zerstörten Häuser verlassen und suchen in der Stadt ihr Glück. Auf uns wirkte die Stadt wie auch alle anderen sehr sympathisch, der portugiesische Einfluß ist mit einer größeren Anzahl Menschen mehr oder wenig farbiger Haut, der wie in einigen Küstenstädten etwas lockereren Kleiderordnung und der vielen kleineren und größeren Häuser im Kolonialstil noch deutlich spürbar; das Stadtzentrum liegt direkt am Wasser in einer Bucht, in der auch der Yachthafen ist, was dem Stadtbild eine besonders freundliche Stimmung verleiht.

Skyline von LuandaLuandaFavela in Luanda

Da wir ohnehin in Luanda ein Visum für Teresa besorgen mußten, wollten wir bei dieser Gelegenheit auch versuchen, das Angola Visum verlängert zu bekommen. Dies sei überhaupt kein Problem, hatte man uns im Konsulat im Kongo versichert. Die Kollegen in Luanda waren da anderer Ansicht, hatten aber Verständnis und meinten, wenn wir es nicht schaffen würden, bis zum Ablauf des Visums das Land zu verlassen sollten wir zumindet bis dahin die Hauptstadt verlassen haben. Warum das so war verstanden wir zwar nicht, aber wir wollten ja sowieso weiter. Langsam. Langsam lieber in dem Sinne, Zeit zu haben, die netten Menschen kennen zu lernen, die wunderbaren Landschaften zu bewundern oder an den traumhaften Stränden baden zu gehen, statt langsam, weil es auf den Straßen nicht möglich war, mal schneller als 20 km/h zu fahren. Zwischen Luanda und Benguela entlang der Küste ist die Straße frisch asphaltiert, sonst hätten wir sicher noch eine Woche länger gebraucht, aber weiter im Süden geht es nur sehr langsam voran. Sobald wir uns weiter von der Küste entfernten wurde es wieder feucht, in Lobito war es schon wüstenhaft trocken, aber der Grenzübergang nach Namibia liegt weiter im Landesinneren. So sahen wir, obwohl wir praktisch auf dem kürzesten Weg durch das Land waren, eine allein durch die Größe des Landes bedingte große Vielfalt von Landschaftsformen; wir kamen durch Lubango, einer besonders schönen Stadt, die zwischen Hügeln auf über tausend Meter hoch gelegen ein sehr angenehmes Klima hat, hier nahmen wir, über uns ein Nachthimmel mit Blitzen von allen Seiten, zum ersten mal seit langem wieder eine kuschelige Decke zum Schlafen.

BenguelaLubangoLubango

Und auf dem letzten Stück wurde es ganz schön schwierig, aus dem Land wieder herauszukommen. Die Straße zum Haupt-Grenzübergang war wegen des Regens nicht passierbar, erfuhren wir an einer Tankstelle, so daß wir eine Nebenstrecke wählten. Zahllose Bäche, einige steile Geröllstrecken und sandige wie lehmige Passagen hätten jedem Geländewagenfahrer Freude gemacht, wir dagegen hatten einige Bedenken, weil sich zeitweise neben dem Weg eine Seenlandschaft zwischen den Akazien ausbreitete. Was wenn es noch mehr regnet? Wir kamen aber immer weiter voran, zwar langsam aber wider Erwarten ohne Probleme. Nur einmal brachen wir unerwartet durch eine oberflächlich abgetrocknete Lehmschicht ein und saßen in einer Pampe aus Lehm und Wasser mächtig fest, aber der Einsatz aller Bergungsmittel und stundenlange Schaufelei brachten uns wieder auf den richtigen Weg zurück. So wurde es spät und wir wollten nur noch eben durch einen kleinen Fluß fahren, um uns eine Stelle zum Schlafen zu suchen. Nicht tief, vielleicht 30 cm und keine 15 Meter breit (nicht der Bach auf dem Bild unten), aber sicherheitshalber gingen wir den Weg vorher zu Fuß hindurch. Kein Problem, hier entlang, dann ein bisschen um die Kurve und dann dort wieder hinaus. Der weiche Sand kam uns auch nicht so tief vor. Gesagt, gefahren, ich fuhr hinein und dachte noch, lieber ein bisschen mehr um die Kurve, als es auch schon passiert war. Im weichen Sand unter Wasser war die Kurve dann doch zu eng gewesen. Was schlimmeres könnte gar nicht passieren, es wurde schon dunkel, der Himmel hing voller Wolken, unwahrscheinlich, dass es in der Nacht nicht noch mächtig regenen würde und der Wagen steckt mitten im Fluß fest. Immer das selbe, 'nur noch schnell' und dann sitzt man in der Patsche. Aber zum Glück halfen wieder einmal ein paar Minuten Nervenberuhigung und es gelang uns, rückwärts ein Stück rauszukommen und mit neuem Schwung auch den Rest zu schaffen. So, jetzt nur noch eine freie Stelle zwischen den Bäumen nahe an der Straße finden und Schluss für heute. Tiefgrün lockte schon wenig weiter eine kleine Wiese, auf die wir erleichtert fuhren, aber plötzlich sackte der Boden weg. Diesmal aber geistesgegenwärtig sofort den Rückwärtsgang rein und schnell zurück. Zu tiefgrün-dig war die Wiese, uns reichte es für den Tag und wir übernachteten exakt dort, wo wir wieder festen Boden unter den Reifen hatten.

Pegelmessungnachdem der Wagen wieder frei ist bleibt nur noch ein Haufen aufgewühlte Erdetrauriger Esel

Der nächste Tag brachte außer reichlich Regen auch uns an die Grenze. Wir hatten Glück und es war möglich, an diesem kleinen Grenzübergang allen Papierkram erledigen zu können, die Alternative wären nochmal 100km, also einen weiteren ganzen Tag Fahrt, zum nächsten Grenzposten gewesen. Lediglich die Tatsache, dass wir das Visum um eine Woche überzogen hatten mussten wir noch klären. Im Reiseführer und im Internet kursieren Gerüchte von Geldstrafen zwischen 100 und 1000 US$ pro Person und Tag, aber das Wort "multa" fiel nur einmal und konnte binnen einer guten Stunde angesichts des Wetters und des Strassenzustands wegdiskutiert werden. So verließen wir nach leider nur 11 Tagen ein Land, in dem wir gerne viel länger geblieben wären und damit auch den Teil Afrikas, den wir eine Zeitlang versucht waren, komplett zu überspringen, dann doch insgesamt zwar sehr schnell durchquert, und schließlich trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner vermeintlichen und erlebten Schwierigkeiten sehr genossen haben.

Leute in AngolaLeute in AngolaLeute in Luanda

Obwohl wir nur so kurz dort waren hatten wir bei der Auswahl der Fotos aus Angola bisher die größten Schwierigkeiten, uns auf eine überschaubare Anzahl zu beschränken.