
Die warnenden Stimmen haben recht behalten. Es gab gleich von Anfang an Tiere auf der Fahrbahn - allerdings immer nur Kühe. Wir wollten durch die Kalahari, die wir uns sehr trocken und mit viel Sand vorgestellt hatten. Was wir sahen war - plattes bis leicht welliges Land mit viel Gestrüpp, viel Sand und keinen nennenswerten Tieren ausser den bereits erwähnten Kühen, ein paar Erdmännchen, und jeder Menge Vögel. Also fotografierten wir die eben und bei mir machte sich langsam etwas Enttäuschung breit.
Tagelang fuhren wir über eine sandige Piste zwischen Dornengestrüpp und war ist keine Veränderung sichtbar. Weder die Richtung der Piste, noch die Vegetation, noch sonst irgend etwas. In der Karte sind Dünen eingezeichnet, wahrscheinlich waren wir einfach an der falschen Stelle. Wir beschlossen also, noch einen Schlenker durch ein Naturschutzgebiet zu machen, in der Hoffnung, dort entweder abwechslungsreichere Landschaft oder aber ein paar interessantere Tiere zu sehen. Aber leichter gesagt als getan, die eine Karte zeigte gar keine Zufahrtswege außer einem weit im Süden, die andere nur eine Anzahl gestrichelter Linien, die mit 'offroad' beschriftet waren. So blieben wir lieber noch einen Tag wo wir waren und beobachteten ein Erdloch, um herauszufinden welches Tier dort wohnt. Das fanden wir leider nicht heraus, statt dessen erblickte Teresa plötzlich eine große Puffotter. Wir verfolgten sie und plötzlich waren es sogar zwei. Eine Weile konnten wir sie beobachten und fortab bewegten wir uns im Gelände mit etwas offeneren Augen. Einen Tag lang trugen wir sogar feste Schuhe wenn wir ins Gras gingen.
Dann ging es weiter - der Name versprach Programm - ins Central Kalahari Game Reserve. Wir entschieden uns für die erstbeste der 'gestrichelten Straßen' und fragten nochmal nach dem Weg. 'Ja, hier entlang könne man fahren, aber weiter im Norden gäbe es eine größere Straße, Entfernung 170 km'. Tja, da blieben wir lieber auf der kleinen 'Straße'. Was als Feldweg begann wurde immer schmaler so daß wir die Fenster geschlossen lassen mußten weil die lautstark am Lack kratzenden Dornenbüsche sonst alle Blätter ins Auto geworfen hätten. Als der Weg nach 70 km und drei Stunden Fahrt nicht mehr erkennbar war gaben wir auf, übernachteten an Ort und Stelle und kehrten am nächsten Tag um, um dann doch die 'große Straße' zu nehmen. Die war auf den ersten Kilometern tatsächlich prima, erst hinter dem Wegweiser änderte sich das Bild; die Straße ging geradeaus weiter, wir bogen auf einen sandigen Weg ein, der nicht viel besser war als der zuvor - aber imerhin etwas breiter. Aber irgendwann waren wir angekommen; der Ranger meinte, Tiere gäbe es im Süden wo wir hinwollten leider keine, nur Sand, aber dafür im Norden, da gäbe es jede Menge Oryx-Antilopen, Springböcke, Giraffen, Löwen und Leoparden. Also wählten wir Plan B in Richtung Norden, was nochmal einen größeren Umweg bedeuten würde, aber die Aussicht auf wilde Tiere würde und bestimmt die Mühsal der Fahrerei versüßen. So fuhren wir und fuhren wir und sahen alle Oryx-Antilopen und auch alle Springböcke - und nichts anderes. Etwas traurig trafen wir gegen Sonnenuntergang auf andere Besucher, die erwähnten, sie hätten eben 13 Löwen zugeschaut wie sie eine Giraffe gerissen haben. Tja, da waren wir wohl nicht zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle. Mitten in der Nacht weckte mich Teresa, sie war von einem Geräusch aufgewacht, es war tatsächlich ein Löwe, der gebrüllt hat. Ich konnte es nicht glauben, nach vier Tagen, an denen wir erst überhaupt keine Tiere außer Vögeln und dann nur ein paar Antilopen und viele Erdhörnchen gesehen hatten. Wir würden eigentlich aus dem Bett springen, das geht wegen der etwas beengten Verhältnisse im Auto leider nicht, klettern also raus und starren ins Dunkel. Und tatsächlich, ein paar Minuten später besucht uns eine Löwendame und legt sich genau vor dem Auto hin. Wir sind so aufgeregt, dass wir ihr wohl zu viel Lärm machen und schon verschwindet sie wieder in der Nacht. Gut dass wir nicht im Zelt geschlafen haben, sonst wären wir bestimmt nicht so ungezwungen aufgestanden. Aber leider war das auch vorläufig das einzige encounter mit einem richtig wilden Tier. Der nächste Tag bestand zum großen Teil aus Fahren, denn der Park ist riesengroß und die Pisten ziemlich schlecht. Des Nachts hörten wir wieder Löwen, aber es kam keiner vorbei - Kameras und Scheinwerfer hatten wir umsonst vorbereitet. Aber wir gaben nicht auf. Statt auf dem wunderbar asphaltierten Trans-Kalahari-Highway direkt Südafrika anzusteuern wichen wir nochmal vom Weg ab. Der war zuerst auch ganz gut, erst die letzten 80 km zum Kgalagadi Transfrontier National Park waren wieder etwas - sagen wir mal - einsamer und dauerten einen ganzen Tag. Kein Wunder, daß die Botswaner häufig keine Zäune rund um ihre Tierparks machen, sie sind so abgelegen, daß sich sicher kein Tier hinausverirrt.
Innerhalb des Parks war demnach auch nicht gleich mit einer überwältigenden Population zu rechnen, aber uns war mittlerweile schon klar, daß die Tiere weit, weit verstreut sind, da es in diesem Jahr wirklich viel und lange geregnet hatte. So setzten wir unsere Hoffnungen, einen der berühmten schwarzmähnigen Löwen zu Gesicht zu bekommen, auf das Tal des Nossob, das auch gleichzeitig die Grenze zu Südafrika ist. Dort angekommen dahen wir Springböcke, Gnus, Oryxe, und befanden uns auf einer Piste, die so wellblechern war, daß wir uns die sanften sandigen Wellen der letzten Tage zurückwünschten. Auch die Nacht war nicht mehr so wildromantisch wie die Nächte davor, wo wir uns, umgeben von lauter Wildnis, abends kaum noch mal aus dem Auto trauten. Hier gab es in einem ordentlich umzäunten südafrikanischen Camp elektrischen Strom an jedem Lagerplatz, einen Kiosk, und leckeren Grillgeruch aus wirklich jedem Bungalow und vor jedem Dachzelt. Aber schon am nächsten Tag waren wir wieder an einem anderen Platz - ganz alleine mit einem - diesmal ganz in der Nähe - brüllendem Löwen. Klar, am kommenden Morgen sind wir gleich auf die Pirsch, und da lag er, ein alter 'Haudegen', faul und vollgefressen von der Beute der letzten Nacht. Den ganzen Tag konnten wir ihm beim Schlafen, Gähnen und Räkeln zusehen, was spannender war, als es sich hier vielleicht anhört.Und so endete unsere Kalahari-Rundfahrt doch noch mit einem krönenden Abschluß. Wir waren die ganzen 15 Tage im Busch, außer um zwischendurch mal die Vorräte aufzustocken. So haben wir zwar das Stadtleben Botswanas verpasst, aber dafür eine großartige Wildnis erlebt.
Hier Fotos aus Botswana.
Und dann war da noch