
Schon auf den ersten Blick wirkt Guinea wunderschön, das Land hat landschaftlich auch viel zu bieten. Im Grenzbereich zu Mali nach Norden ist es von Trocken- und weiter nach Süden hin Feuchtsavanne geprägt, mit hohen Büschelgräsern, Galeriewäldern und zunehmend dichterem Baumbestand. Im Südosten geht die natürliche Vegetation in tropischen Regenwald über. Der Westen ist geprägt von einem Bergland, dem Fouta Djalon, dem sich ein relativ kurzer Streifen Küste, die im wesentlichen flach ausläuft und mit Mangroven bestanden ist, anschließt. In Guinea entspringt der Bafing, der Gambia-Fluß und der Niger, der mit über 4000km Länge insbesondere für Mali, Niger und Nigeria eine große Bedeutung hat. Leider ist es dem Land bisher nicht gelungen, eine prosperierende Wirtschaft aufzubauen, obwohl auch Bodenschätze in nicht unerheblichem Ausmaß vorhanden sind; neben Diamanten, Gold, Erdöl, Uran, Kupfer und Mangan sowie erheblichen Eisenerzvorkommen besitzt das Land, das etwa ein Drittel kleiner ist als Deutschland, ein Viertel der weltweiten Bauxit-Vorkommen.
Aber wie so häufig in diesen Ländern kommen diese Ressourcen der Bevölkerung nicht zugute. Die Bevölkerung hat einen Gesamt-Alphabetisierungsgrad von 41% und liegt damit lt. Encarta auf Platz 176 der Weltrangliste, noch hinter Mauretanien, gefolgt nur vom Irak, Afghanistan, Sierra Leone, Burkina Faso, Somalia und dem Niger, nur 30% der schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule. Selbst in etwas größeren Städten außer der Hauptstadt Conakry und noch zwei drei anderen ist die Versorgungslage augenscheinlich schlecht. Zwar gibt es die Dinge des hiesigen täglichen Bedarfs, aber es ist auffällig, dass auf den Märkten in kleinsten Einheiten gehandelt wird. Meist traurig aussehendes Obst und Gemüse wird in Häufchen zu 500 GNF drapiert, also rund 8 cent. Vielleicht weil es keine Waagen gibt, vielleicht aber auch weil mangels Geld jedesmal wenig gekauft werden kann. Es mag auch an der Jahreszeit liegen und daran, dass nicht unbedingt immer gerade Markttag ist wenn wir hinkommen, aber anders als wenige hundert Kilometer weiter nördlich gibt es hier kaum mal eine Ananas zu kaufen, geschweige denn Mango, Papaya, Avocado, Salat, Kartoffeln und und und. Kleine Paprika, Zwiebeln, Chili, eine undefinierbare rötliche ölige und geschmacksneutrale Sauce sowie Erdnuss-Paste bestimmen das Bild. An der Küste kommt noch getrockneter Fisch dazu, dafür fehlen einige der in anderen Landesteilen angebotenen Produkte. Kekse in ganzen Paketen gibt es nur beim Großhändler, aber auch nur als Sammelverpackungen kleiner Portionspackungen, die sonst einzeln verkauft werden. Nudeln beispielsweise werden in kleine Tütchen umgefüllt und auf dem Markt in Einheiten zu vielleicht 20 Gramm verkauft.
Hübsch aber auch bedenklich anzusehen sind auch die vielfach am Straßenrand aufgebauten Flaschen mit gelblicher und rötlicher Flüssigkeit. Hier wird Benzin literweise verkauft, einerseits weil es halt öfter mal keines gibt, andererseits um dem Budget entsprechend den Sprit bis zum nächsten Dorf kaufen zu können. In den abgelegeneren Regionen gibt es aber ohnehin praktisch keine Privatfahrzeuge,neben immer pikobello sauberen kleinen Motorrädern (Waschen von Dingen, die einen Motor haben und nicht zum Haushalt gehören, ist ja auch in Deutschland eine beliebte Beschäftigung für richtige Männer), den Taxi-Brousses, die Leute mitnehmen bis auch draußen angehängt keiner mehr geht, gibt es nur noch die Fahrzeuge der ausländischen Hilfsorganisationen. Ganze Landstriche werden von Bussen nicht mehr angefahren, weil die Straßen zu schlecht sind. Wir bewunderten Tanklastfahrer, die tagelange unglaublich schlechte Strecken bewältigen müssen, um an ihr Ziel zu kommen. Der Schönheit der Landes tut all dies keinen Abbruch, dies tut lediglich die enorm fortschreitende Abholzung in der östlichen 'Region Forestiere'. Der Lonely-Planet-Reiseführer hat völlig recht wenn dort steht, dass die Gegend demnächst umbenannt werden müsste. Wir haben ein Projekt zum Schutz des staatlichen Waldes besucht und mußten uns davon überzeugen, dass zwischen 2001 und 2003 die Hälfte des damals geschlossenen Waldbestandes vernichtet wurde. Da kann man sich vorstellen, vieviel heute noch übrig ist. Nur in Inseln kann der Regenwald geschützt werden, und das auch nur mittels 'kontrollierter' Nutzung, was bedeutet, daß die Holzfirma nur einen oder zwei Stämme pro Hektar in einer speziell geprüften Fäll-Methode entnehmen darf - theoretisch. Für den Touristen überaus idyllisch sind natürlich auch die malerischen taditionellen Dörfer, die sich nur - gelegentlich - durch das Vorhandensein einer Wasserpumpe von den Dörfern unterscheiden, die wir in den Kinderbüchern gesehen haben. Runde Hütten mit Frauen davor, die im Mörser Getreide stampfen oder mit schweren Behältern voller Wasser auf dem Kopf von der Wasserstelle kommen, Männer, die gemütlich in der Runde sitzen, wichtige Dinge besprechen und den Frauen bei der Arbeit zusehen, und überall Unmengen halbnackter dreckiger spielende Kinder. Zur Ehrenrettung der Männer - nicht nur in Guinea - sei aber erwähnt, dass sie auf dem Feld arbeiten, und das ohne fortschrittliche Werkzeuge, Holz machen oder andere Berufe haben, und sicher noch einiges andere. Aber sie arbeiten nicht wie die Frauen praktisch rund um die Uhr, sondern ruhen sich halt auch mal aus.
Das alles ist für uns sehr beeindruckend und hört sich für den Leser vielleicht etwas negativ an. Klar wäre es schöner, intakte Regenwälder besuchen und im Geschäft Milch, Marmelade oder Kleenex kaufen zu können, für uns wie auch für die Einwohner, die sich allerdings wahrscheinlich noch viel mehr über Elektrizität und fliessendes Wasser freuen würden (selbst in Kindia, der drittgrößten Stadt des Landes, gab es bislang stadtteilweise zu unterschiedlichen Zeiten Strom, seit 3 Monaten aber gar keinen mehr, gerüchteweise weil der Hauptgeneratur kaputt und kein Geld für die Reparatur da ist), aber die supernetten Menschen machen alles wett, was die Freude am Besuch des Landes angeht. Es macht einen betroffen, zu sehen wie viele der Menschen hier leben, genauso schal ist das Gefühl, das Land wieder zu verlassen und der Situation den Rücken zu kehren. Auf den ersten Blick ist das Land paradiesisch schön, auf den zweiten aber auch etwas bedrückend. Nicht in dem Sinne dass man sich nicht wohl fühlt, überhaupt nicht, sondern nur wenn man etwas über das Leben hier nachdenkt, das so weitergeht auch wenn wir wieder bei einem schönen Glas Rotwein (oder was auch immer) zuhause sitzen, oder auch nur wie wir jetzt auf dem Weg woanders hin sind. Aber das sind natürlich nur subjektve Meinungen, die auf unseren Erlebnissen beruhen, die einerseits sehr schön, andererseits auch nachdenklich stimmen. Jedenfalls haben wir hier einen kleinen Einblick in das traditionelle Afrika bekommen wie es sicher nicht mehr in vielen Ländern existiert. Der Tourist (wir auch) sucht dieses traditionelle Leben zu sehen (natürlich von außen, oder als Abenteurer auch mal für eine Nacht in einer traditonellen Hütte), die Einwohner sind sicher froh wenn sie es hinter sich haben. Wir würden wohl auch nicht mehr gerne wie von hundert Jahren leben müssen. Auf unserer Reise woltlen wir jedenfalls als erstes auf Elefantentrekking in einem Wald in der Region Forestiere im Osten des Landes gehen. Auf der Karte führte eine Straße von der malischen Grenze fast geradeaus dorthin, also wollten wir einen Bogen schlagen, gegen Weihnachten an der Küste sein und die Feiertage gemütlich am Stand verbringen, sozusagen Urlaub von der Reise machen, um dann auf dem Rückweg nach Norden die Bergregion Fouta Djalon anzusehen und danach den Mali-Besuch fortzusetzen. Am Ortsausgang von Kankan, wunderte ich mich schon, daß die Straße ganz schön schlecht ist und dachte, wir hätten den falschen Weg eingeschlagen. Aber der Polizist, der uns anhielt und gut eine Stunde zu einem "Arrangement" zu überreden versuchte, weil uns ein vermeintlicher Stempel in den Papieren fehlen würde, bestätigte uns, auf dem richtigen Weg zu sein. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch etwas genervt, weil wir zuvor in der Stadt schon fast 2 Stunden damit verbrigngen mußten, einen anderen Polizisten davon abzubringen, Strafe an ihn persönlich zu zahlen weil wir beinahe verkeht herum in einen Kreisverkehr gefahren waren. Beinahe wohlgemerkt, man beachte auch das Schild auf dem Foto. Das fing ja gut an.
Die Straße war tatsächlich die richtige, wurde aber auf den nächsten 380 Kilometern nicht besser. Wir brauchten für die Strecke dreieinhalb Tage - Tage, nicht Stunden. So würde es uns nicht schwerfallen, die Tage bis Weihnachten rumzubringen. Andererseits erlaubte uns die langsame Fahrt wünderschöne Einblicke in das dörfliche Leben der Gegend, die - zumindest entlang der Straße - überraschend dicht besiedelt ist. Bei jedem Halt wurde unsere Petit Maison bestaunt und wir sorgten für große Erheiterung wenn der "Fote", der Weiße, anfing, Wasser zu pumpen und in die Kanister zu füllen. Auch wenn wir Fotos machten und sie gleich der versammelten Kinderschar zeigten war der Spaß sehr groß. Landschaftlich war die Strecke auch sehr schön, allerdings verdeckte oft 2-3m hohes Gras die Aussicht. Das machte uns auch bei der Suche nach Übernachtungsplätzen etwas zu schaffen; direkt im Dorf wollten wir nicht übernachten weil wir dann doch nicht den ganzen Abend und den ganzen Morgen bestaunt werden wollten und außerdem auch mal ungestört verschiedenen Bedürfnissen nachgehen wollten, außerhalb der Dörfer war die Vegetation meistens aber so dicht, daß kein freier, ebener Platz zu finden war. Einmal bekamen wir morgens Besuch von einem Delegierten, der uns fragte, ob wir eine Panne hätten und warum wir nicht im Dorf übernachtet hätten. Wir konnten ihm nicht so recht erklären, daß wir es etwas abgeschiedener einfach schöner fanden.Einen Teil der Strecke kündigten wir uns auch kilometerweit vorher an, da das in Sevilla "reparierte" Auto-Teil nach und nach laut quietschend den Geist aufgab. Aber wie durch ein Wunder fanden wir einen Mechaniker, der lapidar - und als Liberia-Flüchtling auf englisch - sagte "I can fix it" und durch ein zweites Wunder dann auch noch ein halbwegs passendes Ersatzteil auftrieb. Erst hatte ich die Befürchtung, dass es uns ergehen würde wie schon einmal auf Sansibar, wo der Mechaniker alles sorgfältig auseinandernahm, dann sagte "kaputt" und sich zum Gehen wandte, aber hier waren wir wohl bei einem Wunderheiler gelandet. Ohne Quietschen kamen wir dann irgendwann in einem größeren Ort an, in dem wir glücklich nicht nur Avocados, anderes Obst als Orangen und sogar Salat fanden, sondern ebenso glücklich wieder auf Asphalt kamen. Hier besuchten wir das Büro des Waldprojektes; der Mitarbeiter sprach dann noch von einer schlechten Sraße Richtung Hauptstadt aber wir winkten ab, sie sei doch wunderbar und schlechter als die bisherige könnte es nicht werden. Das Elefantentrekking erwies sich als ein spannender Tag im Regenwald; stutzig wurden wir einmal als wir einen Imbiss angeboten bekamen, weiße, frische große und außerdem lebendige Maden aus eiem Palmenstumpf - wir zogen unsere Biskuits vor, das zweite mal als der Guide einfach weiterging, als der Pfad in einem Bach endete. Na ja, auch hier mußten wir dann wohl hinterher, den sowieso schon latent vorhandenen Gedanken an giftige Insekten, Schlangen und sonstiges Getier noch um diverse Krankheiten bereichert möglichst weit zu verdrängen. Elefanten sahen wir übrigens keine.
Und die Straße in Richtung Hauptstadt/Küste wurde tatsächlich schlechter. Vorher waren wir konstant langsam gefahren, daß sich die Tachonadel nur gelegentlich bewegte, hier war es eine unendliche Kombination von Beschleunigen - Vollbremsung - Slalom - und krachendem Eintauchen in zu spät gesehene bodenlose Schlaglöcher, kombiniert mit zur Stadt hin zunehmendem Verkehr ebenso slalomfahrender und bewundernswert vollgepackter Überland-Sammeltaxis. Wir suchten einen Tag Ausflucht und wollten die Quelle des Niger suchen, die in der Karte vage eingezeichnet war, aber hier machte uns tatsächlich ein diensteifriger Beamter einen Strich durch die Rechnung, da er nicht vom Vorhandensein einer Sondergenehmigung abzubringen war, die wir doch einfach eine Tagesreise weiter (und dann eine Tagesreise wieder zurück) beim Distriktweißnichtwas erbeten könnten. So wichtig war es uns dann doch nicht, so daß wir drauf verzichteten und einen schönen Tag im Busch verbrachten. Wir konnten nicht weiterfahren, weil Teresa in einem nahegelegenen Dorf Stoff zum Schneidern angegeben hatte.Die Anfahrt in die Hauptstadt ist eine Sache für sich. Conakry liegt auf einer Landzunge, die durch einen Checkpoint, der für seine 'Arrangements' bekannt ist, und einem darauf folgenden 35 km langen Bereich, den sich Müll und seine Bewohner teilen. Zwar mußten wir auch an disem Checkpoint nichts abdrücken, aber dafür lange warten, umgeben von undurchsichtigen Gestalten. Als plötzlich ein Typ auftauchte, der unsere Papiere haben wollte, weigerte ich mich, sie ihm zu geben. Aufgeregt lief er zu einem Büro und kam mit einem Ausweis zurück, der selbstgemalt aussah und ihn als Offiziellen auswies. Als ich mich mit Hinweis auf meine eigenen Zeichenkünste immer noch weigerte wurde er etwas säuerlich und bestellte einen Uniformierten, der seine wichtige Aufgabe als Kommissar und Formularfüller in Zivil bestätigte. Also folgten wir ihm ins Büro. Mich wunderte etwas, dass er den Führerschein des Beifahrers verlangte, aber nachdem ich schon Fahrzeugschein, internationalen Fahrzeugschein, Impfpässe, Reisepässe, Carnet de Passage, Versicherungsbestätigung und den anderen Führerschein gezeigt hatte machte das auch keinen Unterschied mehr, aber aucher zeigte Verständnis für meine anfänglichen Zweifel an seiner Peron. Schließlich durften wir weiter und uns durch den dichten Verkehr und gedrängte Armut beiderseits der Straße in die Stadt quälen. Wir wurden nur noch zweimal von übereifrigen Beamten angehalten, einer meinte abkassieren zu dürfen weil wir (wie übrigens auch fast alle anderen) nicht angeschnallt waren, der andere behauptete, wir hätten gegen irgendeine andere Regel verstoßen - bei den beiden hat wohl eher meine Hautfarbe eine Rolle gespielt. Später wurden wir aufgeklärt, dass in diesen Tagen besonders viel kassiert würde, weil noch Weihnachtsgeschenke zu besorgen wären und zwar vornehmlich von Ausländern, aber auch Einheimische würden zur Kasse gebeten und in der Regel auch einfach 1000 GNF (knapp 20 Cent) zahlen, um ohne Diskussionen weiterfahren zu können.So war unser erster Eindruck von Conakry gespalten. Schwülheiß, laut, korrupt und dreckig. Dafür gab es aber auch kleine Supermärkte, in denen man Milch, Klopapier, Marmelade und sonst noch so einiges an den in der letzten Zeit vermissten Dingen kaufen konnte. Und eine Werkstatt, in der wir dann auch das Kreuzgelenk für das Auto gegen ein richtiges austauschen konnten. "Orginalteil" behauptete er und kassierte dafür das zehnfache von dem letzten, aber Hauptsache es passt - und er ist inclusive Einbau immer noch nur halb so teuer wie das Ersatzteil in Europa ohne Arbeitszeit gekostet hatte. Nach einer unangenehmen Nacht auf einem Parkplatz gönnten wir uns dann auch mal ein Hotelzimmer mit pipapo, was auch sehr gut getan hat. Die katholische Mission ist ein sehr schönes Gebäude aus der französischen Kolonialzeit
Dann ging die Reise weiter in Richtung Strandurlaub. Wir träumten von einem palmenbestandenen weißen Strand, an dem ein Bach mit Süßwasser ins warme Meer mündet und wir endlich die Hängematten aufhängen könnten. Und genau so einen fanden wir - fast. Es gab fast weißen Sand, einen Bach, und es gab einen Campingplatz mit Dusche und Toilette. Und auch die Palmen waren da. Idyllisch.
Nicht vergessen darf man aber, daß es sich um eine Mangrovenküste in einem der ärmsten Entwicklungsländer handelt. Wenn alles wie im Bilderbuch wäre stünden hier längst ein paar Hotels (so gibt es nur ein einziges, das bis vor kurzem dem Präsidenten gehörte, er es aber jetzt an die Chinesen verkauft hat, und eine Touristen-Feriensiedlung, die der Frau des Präsidenten gehört - Man merkt hieran schon, wo das meiste Geld im Land hinfließt). Der Bach war wegen Ebbe und Flut eher brackig und enthielt (ungefährliche, sagte man) Kaimane, der Strand verwandelte sich nach ein paar Metern im Wasser zu Schlamm, der bei Ebbe fast bis zum Horizont reichte und bei Flut nur ein Baden bis Hüfttiefe erlaubte. Baden konnte man tastächlich im Meer, es hatte die Temperatur einer winterlich wohligen Badewanne. Zur Erfrischung taugte es also nicht wirklich. Die Dusche war prima, die Toilette dagegen nur ein Loch mit einem Bambusverschlag drumherum. In den umliegenden Dörfern gab es praktisch nchts zu kaufen, außer Brot, Fisch, Reis und Zwiebeln. Nicht mal ein Huhn gab es zu Weihnachten. André, der Betreiber, gab sich wirklich alle Mühe, er hat uns beispielsweise extra einen neuen Weg zum Platz geschlagen, weil der alte zu klein für unser Auto war, und brachte dann sogar statt des Huhns eine schon etwas ältere, aber noch lebendige Ente für's Weihnachtsessen, der er dann auch selbst das Leben nahm, trotzdem ist es eher ein Campingplatz für ein paar Tage Aufenthalt, nicht für so viele Tage, wie wir dort waren, vor allem nicht wenn man mit Malaria fiebernd in der Koje liegt. Teresa hatte es nämlich erwischt; bei aller Vorsorge erwischt einen dann doch immer mal wieder eine Mücke. Beim Duschen, mal durch das Hemd durch, mal wenn man mal die eine oder andere Körperstelle entblößt, die nicht mit Autan behandelt ist. Wegen der langen Reisedauer sind wir ohne Chemo-Prophylaxe unterwegs - was wir jetzt nochmal überdenken - und so kann ein Stich eben auch einer zuviel sein. Wir waren neun Tage in Sobane, die letzten aber eigentlich nur, um Teresa wieder halbwegs transportfähig zu bekommen.
In der Tat war dies nur halbwegs gelungen, so daß wir in Kindia nochmals drei Tage Rekonvaleszenzpause einlegten und dann knapp (1 Tag) vor Ablauf des vierwöchigen Visums wieder nach Mali einreisten. So vergingen insgesamt vier Wochen wie im Fluge und 3.600 Reisekilometer in einem Auto, was sich auf Schlaglochstraßen eher wie eine Rumpelkiste anfühlt, in einem sehr schönen, beeindruckenden Land.
Nebenbei bemerkt:
NACHTRAG: Nur wenige Wochen nach unserem Besuch wurde in Guinea ein Generalstreik ausgerufen, der aber zum Glück nur von kurzer Dauer war. So ganz daneben liegen wir mit unseren Eindrücken der allgemeinen Misstände also nicht. Allerdings muß man, damit kein verfälschtes Bild entsteht, auch sagen, dass es auch andernorts in Afrika gleiche oder ähnliche Zustände gibt. Beispielsweise die traditionellen Dörfer ohne Strom und Wasser, die Benzinflaschen am Straßenrand und auch das bisweilen magere Angebot gibt es genauso in Mali, allerdings im direkten Vergleich vielleicht nicht ganz so häufig. Uns fielen die Zustände sicher besonders auf, weil Guinea das erste Land Westafrikas ist, das wir etwas ausführlicher besucht haben und das nicht mehr im kulturellen arabischen Einflußbereich liegt. Wir sind ja von Mauretanien quasi auf direktem Weg nach Guinea gefahren. Auf jeden Fall bleibt ein absolut positives Bild des Landes in unserer Erinnerung.