
Kamerun hatte gleich zu Beginn mit ein paar beeindruckenden Löchern in der Straße aufzuwarten. Was in Nigeria noch asphaltierte Straße war verwandelte sich nach einer Brücke über einen wunderschönen Fluß und einem Metalltor, das eher wie ein Bauzaun als eine Landesgrenze aussah, in eine abenteuerliche Piste, wie wir sie bei der Durchquerung des Amazonasgebietes erwartet hätten, nicht aber bei der Hauptverbindungsstraße zwischen den größten Städten Nigerias und Kameruns. Langwierige zwei Stunden für den Grenzübergang und abenteuerliche zwei Stunden für die ersten 20km der 'Straße' hatten den Vorteil, daß wir genau zum Abend ein kleines Dorf erreichten, das den malerischen Namen Ekumojok - das Geräusch der Elefanten - trägt. Elefanten gibt es zwar hier schon viele Jahre nicht mehr, dafür aber einen See, der wunderschön in den Tropenwald gebettet ist.
Allerdings sollte man sich bei dem Wort "Tropenwald" nicht unbedingt den Regenwald aus dem Fernsehen vorstellen. Die riesigen Baumstämme aus Edelhölzern mit den hohen Brettwurzeln haben wir zumindest nirgends gesehen. Ich denke, man kann davon ausgehen, dass in der Nähe von Siedlungen und weiträumig entlang von Straßen und Wegen kein Primärwald mehr existiert, denn die Abholzung begann schon vor langer Zeit und natürlich wurden zuerst die am leichtesten erreichbaren Gegenden von der Holzindustrie besucht. Nichtsdestoweniger sieht man ein undurchdringliches Gewirr von Pflanzen aller Art und natürlich auch große Bäume, denn man darf sich nicht vorstellen, daß dort wo der Regenwald abgeholzt wurde, Ödland ist. Zum einen werden heutzutage vielfach nur die großen, wertvollen Stämme aus dem Wald entnommen, auch wenn dabei viel anderes mit zerstört wird, zum anderen wächst für das ungeübte Auge gleich wieder alles zu. Aber durch diese Eingriffe und den wachsenden Bevölkerungsdruck wandern natürlich die Tiere ab und die Artenvielfalt der Flora ist auch viel geringer, da die schnellwachsenden Pflanzen viel mehr von dem plötzlich zur Verfügung stehenden Raum einnehmen können. So sieht für unsereinen der Regenwald völlig intakt und undurchdringlich aus, auch wenn man sich manchmal fragt, wo denn die riesigen Baumstämme geblieben sind, die man aus den Tarzanfilmen kennt. Solche Stämme sieht man jetzt nur noch auf den Holztransportern in Richtung Küste. Und es ist schon interessant, wie abrupt sich die Pflanzenwelt mit dem Grenzübergang von Nigeria aus geändert hat. Durch die hohe Bevölkerungsdichte gibt es dort praktisch kein Wild und keinen Wald mehr; in Kamerun leben zwar auch relativ viele Menschen, aber nicht annähernd so viele wie im Nachbarland, so dass man schätzt, dass wegen des hohen Bevölkerungswachstums in 50 Jahren jeder dritte Afrikaner ein Nigerianer ist. Umrahmt von grünem Dickicht ging unsere Reise also sehr langsam aber stetig weiter und wir erreichten zum nächsten Abend ein kleines Dorf, in dem wir baten, dort übernachten zu dürfen. Denn nur im Bereich der Dörfer ist überhaupt Platz genug; entlang der Straße gibt es ansonsten praktisch keine Möglichkeit, einen Platz zum Schlafen zu finden. Allerdings hatten wir viel Mühe hatten, den abendlichen Besuch irgendwann verabschieden zu können und unsere Gastgeber zu überzeugen, daß eine Bewachung zuunserer Sicherheit nicht nötig sei, beschlossen wir, künftig die Gastfreundschaft der Dörfer nicht mehr als nötig in Anspruch zu nehmen, da dies für den Gastgeber wie auch für den Gast öfters mehr Mühe und Schwierigkeiten mit sich bringt als nötig. Am nächsten Abend fanden wir dann Unterschlupf auf dem Gelände der katholischen Mission eines anderen kleinen Ortes. Da der Parkplatz gleichzeitig Fußballplatz für die Dorfjugend war bot uns der freundliche Pastor an, den Wagen direkt neben der Kirche abzustellen. Wir hatten zu spät bedacht, dass es Samstag Abend war. Sonntags um halb sieben weckte uns ein lautes Schlagen auf eine alte Autofelge, die die Kirchenglocke ersetzte. Kurze Zeit später begann der Gottesdienst, der so anders war als man es in Mitteleuropa gewohn ist. Fröhlich, laut und mit viel Inbrunst wird er hier abgehalten, so daß man glaubt, Whitney Houston persönlich würde ein Ständchen geben.
Vielleicht haben die Leute auch für uns gebetet, denn ab diesem Tage besserten sich die Straßen, die wir unter die Reifen bekamen. So ging es flott weiter, ich wollte unbedingt den Kamerunberg sehen. Aber schon auf dem Weg durch Kautschuk-, Ananas, und Bananenplantagen wurde klar, das wird wohl nichts. Nur der Blick auf die Karte verriet, daß wir schon ganz in der Nähe waren. Wie bereits in Nigeria war die Luft so diesig, dass an nur wenige Kilometer weit sehen konnte und der Himmel war bedeckt. Aber in der Gegend gibt es auch jede Menge Kolonialgeschichte, so dass wir Buea besuchten. Distrikthauptstadt und - eigentlich entscheidend für die Ortswahl - 1000m hoch gelegen. Das versprach kühle Nächte.Wir blieben ein paar Tage in dem sympathischen Städtchen und fuhren dann noch kurz an die Küste. Kurz, weil wir noch nicht in Stimmung für Strandurlaub waren, die Malaria an der Küste von Guinea zeigt diesbezüglich noch Nachwirkungen. So blieb es bei einem kurzen Abstecher zum Strand, was auch gut so war, denn bei 30 Grad im Schatten und gefühlten 90% Luftfeuchtigkeit bringt ein 25 Grad warmes Meer auch keine rechte Erfrischung.
Die Fahrt ging weiter nach Yaoundé, der Hauptstadt dieses sympathischen Landes, um weitere Visa für die nächsten Länder zu besorgen. Die Stadt gefällt uns ganz gut, sie liegt über mehrere Hügel verstreut, was dem Straßenverkehr noch einen zusätzlichen Kick gibt. Es gibt unendlich viele Taxis, die alle stehenbleiben, los- oder um die Kurve fahren als wären sie allein auf der Straße. Zum Glück hupen sie alle permanent dabei, so daß wir auch keine Hemmungen haben, uns lautstark zu Worte zu melden. Wofür haben wir uns denn extra noch eine vom Beifahrersitz aus bedienbare Hupe eingebaut? Nur die Verkehrspolizisten stehen unbeachtet im Getümmel und pfeifen gelegentlich auf ihren Trillerpreifen, wenn sie sich mal gerade um den Verkehr kümmern und nicht gerade einen Taxifahrer wegen irgendwas zur Kasse bitten. Auch gibt es mehrere Kreisverkehre. Glücklich wer dafür in Paris schon geübt hat. Apropos Paris: Eine Kathedrale namens Notre Dame gibt es auch, allerdings ohne jede Ähnlichkeit zur Namensschwester.
In unserem Hotel, einem Guesthouse der presbyterianischen Mission, duschten wir immer bei Kerzenschein. Was sich romantischer anhört als es tatsächlich ist, obwohl das sanfte Licht gnädig den Zustand der sanitären Anlagen verschleiert. Die Kerze muß man nämlich mangels elektrischem Strom im Bad benutzen. Fakt ist, daß nicht wegen der Gefährdung der Gäste der Strom abgestellt wurde sondern - wie auch sonst oft zu sehen - die Dinge, wenn sie einmal fertig sind, sich selbst überlassen werden. Geht etwas kaputt funktioniert es entweder auch so irgendwie weiter oder es wird etwas rumimprovisiert oder es funktioniert eben nicht mehr. Das Haus ist 1910 gebaut, den undefinierbaren Flecken nach die Wände wahrscheinlich in den vierziger Jahren zum letzten Mal gestrichen und das Klo in den siebzigern zum letzten Mal geputzt worden. In Yaounde hat es auf unserer Reise seit Spanien zum ersten mal geregnet. Früher oder später werden wir wohl irgendwo im Regenwald so richtig nass werden. Erstmal war es aber nur ein Schauer, der natürlich genau herunter kam als das Auto in der 'Werkstatt' war, da eine Feder gebrochen war. Ein Schmied hat kurzerhand ein neues Federblatt massgeschneidert, was dann einfach gegen das gebrochene ausgetauscht wurde.So gerüstet ging es weiter nach Süden. Wald, Wald, Wald. Und in Gabun noch mehr Wald. Gut dass Grün beruhigend wirkt. Am Rande bemerkt:
Die Lösung des Rätsels ist übrigens: Der Kamerunberg. Immerhin haben wir zwischen den Wolken mal ein paar schemenhafte Formen erahnen können. Fotoalbum