Navigation

Letzte Änderung:
May 14. 2010 21:44:26

Zitat 113: Unbenanntes Dokument

Eine Reise ist wie ein Trunk aus der Quelle des Lebens. -- Friedrich Hebbel (1813 -1863)

 



 

 

 

777 Aufrufe seit Sept. 09

 

 

 

 

Powered by CMSimple
Template Design by CMSimple-Styles
and Teresa

Kongo

Lanschaft im Nordwest-Kongo

... oder genauer gesagt die Kongos. Da wir jeweils nur wenige Tage in beiden Ländern waren fassen wir die "Republik Kongo" und die "Demokratische Republik Kongo" in einem Bericht zusammen.

Karte KongoKarte D.R. Kongo Ganz anders als wir es uns vorgestellt haben präsentierte sich der Kongo mit einer wunderschönen Savannenlandschaft. Wir dachten, wir würden die ganze Zeit nur durch Wald fahren - oder zumindest wieder in den Wald kommen - aber nichts dergleichen. Zwar war die Vegetation dicht, aber es gab keinen Regenwald mehr. Der Grenzübergang war sehr klein, zwar gab es eine Barriere auf der Straße aber keines der offiziellen Gebäude und auch keinen der Grenzbeamten hätte man als solchge erkennen können. Wir wurden im Kreise der Familie von einem interviewt, der sich mit Jogginganzug bekleidet als Poizeichef ausgab. Die Dörfer die- und jenseits der Grenze waren sehr unterschiedlich. Seit wir Guinea verlassen haben stieg der Wohlstand der Dörfer, soweit man das von außen beurteilen kann, mit jedem Land stetig an, aber der Grenzübergang in den Kongo stellte diesbezüglich einen deutlichen Rückschritt dar.

Grenzposten im KongoSavanne im KongoGrabschmuck im Kongo

Wir übernachteten in der Nähe eines Dorfes an einer wunderschönen Stelle, sahen aber im Gebüsch Zeugs herumliegen, das wir zunächst für Müll hielten. Beim näheren Hinsehen entpuppte sich der vermeintliche Abfall als die Dekoration von Gräbern, sie waren mit Vasen, Pfannen, Schuhen, einmal einer Gewehrpatrone und fast immer mit Tellern und Besteck geschmückt. Alles Dinge, die der Verblichene entweder im Diesseits besonders geschätzt hat oder möglicherweise dort gebrauchen kann wo er jetzt ist. Das Essen spielt offensichtlich überhaupt eine große Rolle, auf den 600 Kilometern bis Brazzaville wurden wir oft im Vorbeifahren mit einem deutlichen Hinweis gegrüßt, wir sollten etwas zu Essen dalassen - unfruchtbar wirkt die Landschaft allerdings nicht gerade. Nachdem wir das landschaftlich schönste Stück auf sandiger Piste langsam durchquert und die Asphaltstraße erreicht hatten ging der Weg zügig in Richtung nach Süden in Richtung Brazzaville weiter. Entlang der Straße hatten sich fast ohne Unterbrechung überall neue Dörfer gebildet, teils mit hochtrabenden Namen. Es gab 'Dallas', 'Chikago', und sogar 'Ekoturisme'. Die Hauptstadt selbst ist ziemlich modern, abseits der großen Verkehssstraßen stehen Bäume und Palmen am Straßenrand und auf den ummauerten Grundstücken, und sie wirkt - trotz des unausbleiblichen afrikanischen Chaos - vielleicht wegen der hohen Luftfeuchtigkeit etwas verschlafen. Nur die Polizisten sind auch hier (im Gegensatz zu den Polizisten auf dem Lande, aber wie wir es schon öfter in anderen größeren Städten erlebt haben) öfters mal auf eine kleine Zuwendung aus. Über eine Stunde mußten wir über die Anordnung von Straßenschildern diskutieren, bis die Beamten endlich den eingesteckten Führerschein wieder herausrückten, ohne kassiert zu haben. Andere Autofahrer erledigten das gleiche Problem in der Zwischenzeit pragmatischer. Sie kurbelten bei der Forderung nach den Papieren einfach das Fenster hoch, drehten um und fuhren weg.

Und die Beamten im Hafengelände haben so ihre eigenen Methoden, wie wir auf der Fährüberfahrt über den Kongo-Fluß nach Kinshasa miterleben durften. Wir verbrachten einen ganzen spannenden Tag im Hafen und auf der Fähre, und konnten den afrikanischen way of life in Ruhe studieren. Die kleine Fähre besteht aus drei aneinandergebundenen Booten; zusammengebunden weil nur ein einziger Motor funktioniert, und es herrscht ein unglaubliches drunter- und drüber wenn lastwagenweise zentnerschwerde Säcke mit Ladung von dutzenden trotz ihrer breiten Schultern ausgezehrt wirkenden Trägern gleichzeitig be- und entladen und kreuz- und quer auf dem Schiff hingeworfen wird, die Hafenpolizisten teilweise ziemlich handgreiflich ihren nicht immer ganz nachvollziehbaren Willen durchsetzen, die Passagiere - ausnahmslos ärmliche Leute, wer es sich leisten kann setzt mit einem kleinen privaten Boot über - in der einen oder anderen Richtung aufzuhalten und sich das ganze spätestens mit dem Anlassen des Motors zunehmend zu einem immer hektischeren Gewimmel steigert, das mit dem vorsorglich fünf Minuten vor dem Ablegen erfolgten Lösen der ersten Leine zu einem fast panischen Gerenne der Träger wird, die gesamte Ladung noch auf das Schiff zu bugsieren und noch über den breiter werdenden Spalt zum Anleger die letzten Säcke zu hieven, während die letzten Mitfahrer noch an Bord springen und versuchen, auf dem völlig überladenen Gefährt Halt zu finden, bis schließlich mit dem sich entfernenden Tuckern des Motors ganz plötzlich Ruhe einkehrt, als wäre nichts gewesen.

Die Fähre von Brazzaville nach KinshasaKinshasaKinshasa

Auf der großen Fähre, die auch Autos transportieren kann, ging es dagegen vergleichsweise ruhig zu. Sie ist weniger mit Waren als mit Behinderten aller Art überfüllt. Unser Auto war umgeben von Rollstühlen, die ursprünglich mal Fahrräder waren und zu Lastkarren umgebaut wurden, besetzt von zufrieden aussehenden Männern. Die wenigen Frauen waren dafür umso resoluter. Wir wunderten uns mächtig und erfuhren, dass Behinderte kein Gepäck zahlen müssen. Konsequenterweise haben viele daraus ein offensichtlich gut funktionierendes Gewerbe gemacht und fahren nun den ganzen Tag auf der Fähre hin und her und transportieren dabei jeweils nicht unbeträchtliche Warenmengen. Da wir rückwärts nicht von der Fähre runterkamen wurde es schon Abend, bis alle anderen weg waren und wir als allerletzte das Schiff verließen; umso schneller gingen die Grenzformalitäten. Der Feierabend war in Sicht, wir bekamen schnell unsere Stempel und waren wir in der Demokratischen Republik Kongo angekommen, einem Land das man laut der Reisehinweise des Auswärtigen Amtes eher meiden sollte. Aber Angesichts der Lage und der Größe des Landes ist das schwer machbar. Zwar hatten wir bis vor kurzem die schwache Hoffnung, von Cabinda, einer angolanischen Exklave, mit einem Militärflugzeug nach Angola fliegen zu können, aber diese Variante war aufgrund der Verfahrensweise bei der Vergabe von Visa für Angola nicht möglich gewesen. In Kinshasa haben wir nicht viel zu tun gehabt, 8 € für ein halbes Kilo Fruchtgummi und 6 € für vier Joghurts haben sogar Teresa die Lust am Einkaufen genommen. Dafür haben wir die Gelegenheit genutzt, nochmal Geld abzuheben. Wir wollten 200.000 kongolesische Franc abheben, also ca. 300€. Nachdem in Brazzaville nichts aus dem Automaten kam weigerte sich auch hier der Automat, die Summe auszuzahlen. Wir begannen schon an unserem Kontostand zu zweifeln, und versuchten immer geringere Summen. Erst bei den probehalber eingegebenen 500 spuckte er Geld aus, aber nicht wie erwartet kongolesische Francs, sondern US Dollar. Kein Wunder, dass am Geldautomaten die angegebenen Beträge nur bis 500 gingen; und wir dachten die hätten der Einfachkeit halber die letzten drei Nullen der Kongo-Francs weggelassen.

Der Hinweis, wir mögen doch bitte vom Exterieur der protestantischen Mission, in der wir übernachtet hatten, keine Fotos machen, rief uns in Erinnerung, dass die Sicherheitslage im Lande noch immer nicht so ganz entspannt ist, wovon auch die vor jedem Haus platzierten Sicherheitskräfte sowie die hohen, stacheldrahtbewehrten Mauern um jedes Grundstück deutlich zeugten. Zwar ist im Westen des Landes die Lage einigermaßen stabil, die Unruhen beschränken sich weitestgehend auf die entlegenen südöstlichen Gebiete des Kongo, aber hier hielt uns nichts länger und wir machten uns auf den Weg nach Matadi, zur angolanischen Grenze. Dort wurden wir erneut an die aktuelle innenpolitische Situation erinnert, als wir ein UN-Fahrzeug nach dem anderen sahen, die meisten besetzt mit Blauhelmen. Nichtsdestoweniger schien uns die Situation ziemlich entspannt, auf unsere Frage bei der Polizei, ob Fotos in der Stadt wohl unpassend wären wurden wir zwar von einem Vorgesetzten zum nächsten geschickt, aber der erst ziemlich unwirsche Chef war dann ganz zugänglich und wies uns nur darauf hin, keine Polizei und nichts militärisches aufzunehmen. Das war selbstverständlich, machte die Motivwahl allerdings nicht ganz einfach, aber immerhin. Aus der D.R.C. haben wir Postkarten verschickt, was nicht ganz einfach war. Es war schon öfter nicht ganz einfach, Postkarte zu finden, aber hier war die Post selbst etwas komplizierter. Wir betraten in einem modernen Gebäude aus den siebziger Jahren einen großen, hohen Raum mit einer Bank in der Mitte, auf dem eine Frau schlief. Rundherum befanden sich ein Tresen mit verschiedenen verwaisten Schaltern, auf allen Möbeln war eine Staubschicht, die von geringer Betriebsamkeit zeugte. Es gibt auch zu den Kongos ein paar Fotos