
Aus einer Stunde wurden fünf. Und das nur um nach Mauretanien reinzukommen. Die Abfertigung in Marokko ging ganz flott, was und hoffen ließ, aber wir wußten nicht, daß das noch längst nicht alles war. Nach der Polizei kam nämlich erstmal der Geheimdienst oder so etwas, dann der Zoll, der uns den Wagen ausräumen ließ, und dann zum Abschluß noch die Kontrolle, ob auch alles richtig ist. Die allerdings hatten mittlerweile Mittagspause. So machten auch wir es uns gemütlich, bevor wir dann in das berüchtigte Niemandsland zwischen Marokko und Mauretanien fuhren. In allen Reiseführern wird dringend darauf hingewiesen, daß man auf keinen Fall die Spur verlassen darf, da alles voller Minen sei. Dementsprechend waren wir ein bisschen nervös, als wir und laut Beschreibung an einer Stelle rechts hielten und in einer Spur duch weichen Sand landeten, die ganz offensichtlich nicht die Hauptspur war. Wir wendeten, fuhren zurück und uns selbst natürlich prompt im Sand fest. Sofort waren zwei undurchsichtige Gestalten zu Stelle, die uns helfen und den richtigen Weg weisen wollten. Auch das noch, einer von uns schob ein paar Steine unter die Räder, der andere verschte, die beiden Gestalten im Auge zu behalten und loszufahren, was dann zum Glück auch gleich gelang. Wir gaben den beiden ein paar marokkanische Zigaretten, die wir aber zurück bekamen, es sollten dann schon Marlboro sein.
Die Nerven beruhigten sich wieder, sie hatten auch genug Zeit dazu, denn schließlich am mauretanischen Militär angekommen hatten auch die Mittagspause. Dann nochmal ein Stück weiter, zur Polizei und wieder warten. Der Kollege mußte erst telefonieren, ob er uns durchlassen dürfte. Verstand ich nicht so ganz, denn in der Zwischenzeit fuhen jede Menge Autos anderer Nationalitäten ohne Rückfrage durch. Danach wieder Zoll, Papiere ausfüllen, zum x-ten mal die Ausweisdaten in ein großes Buch abschreiben lassen, eine Ehrenerklärung unterschreiben (dass wir das Auto nicht verkaufen werden, hier gilt das Ehrenwort eines Mannes) und schon waren wir fertig. Nur ein einziges Papier fehlt uns scheinbar. Nämlich das was die Banken immer haben wollen wenn wir Geld wechseln möchten. In ganz Mauretanien ist es nicht möglich, mit der Kreditkarte Geld zu beommen, weder an Automaten noch am Schalter. So mußten wir an das Bare. Ich konnte es einfach nicht glauben und versuchte immer wieder, auch später in der Hauptstadt mein Glück, aber ohne Erfolg. So sind wir jetzt um ganze 600 Euro an Bargeld ärmer, obwohl wir 'eigentlich' praktisch keine Ausgaben haben. Ein paar Lebensmittel, einmal Camping, einmal Essen gehen. Aber wir fahren halt viel rum und der Diesel ist hier auch nicht umsonst. Zweimal tanken, dann noch Autoversicherung für Mauretanien, eine schon mal für die anderen westafrikanischen Länder, dann ein Visum für Mali, sonst nichts. Mir gefällt das nicht besonders gut, denn auch in Mali und Guinea soll es praktisch keine Automaten geben und ich möchte ungern nachher ohne Bargeldreserve dastehen.
Mauretanien hat nur zwei größere Ortschaften, die Hauptstadt Nouakchott und an der marokkanischen Grenze den Ort Nouadhibou. Von den gut 1.000.000 km² Fläche sind ca 80% Wüste, also praktisch unbewohnt. Der Plan war, uns in Nouadhibou bequem mit einem Zug ins Landesinnere fahren zu lassen, also das Auto auf eine Plattform verladen lassen. Das klappte leider nicht, außer wir hätten drei Tage (oder vielleicht auch vier, oder fünf, man weiß nie) in diesem trostlosen Ort gewartet - um dann womöglich immer noch nicht weg zukommen. So sind wir halt mit dem Auto losgefahren, 470 km Wüstenpiste. Die Orientierung war nicht schwer, lediglich am Anfang der Piste hatten wir etwas Schwierigkeiten, den richtigen Weg aus dem Ort heraus zu finden - einerseits zu finden, andererseits disen auch zu fahren. Wir hatten zum Thema 'Fahren im Sand' offensichtlich noch viel zu lernen. Danach ging es vier Tage durch die Wüste, diesmal nicht mehr mit 90 Sachen über eine Asphaltstraße sondern meist im Fahrradfahrertempo mal durch steinige, meist aber sandige und manchmal auch sehr, sehr sandige Gegend. Wir haben die Fahrt sehr genossen, vor allem abends den unvergleichlichen Luxus, mitten in der Sahara an einem wunderschönen Ort ein eiskaltes Getränk und dann eine heiße Dusche genießen zu können. Und das noch vor einem wie immer fantastischen Abendessen und einem Abend unter Millionen Sternen. Solche Tage und Abende sind schwer zu toppen.
Allerdings hatten wir auch unsere Schwierigkeiten. Wir haben uns ein paar mal im weichen Sand festgefahren und mußten fleißig schaufeln, vor allem als wir eine Abkürzung nehmen wollten, was wir daraufhin lieber wieder sein ließen. Immerhin waren wir zu diesem Zeitpunkt 350 km entfernt von einer größeren Ansiedlung und gut 100 km vom nächsten Ort, der sich allerding später auch als überraschend klein herausstellte. Auch der Motor wurde ein paar mal heiß, so daß wir ein paar Pausen einlegten. Aber das tat dem Genuß keinen Abbruch, diese Tage waren für mich die bisher schönsten der Reise.
Nach Lektüre der Beschreibung unserer zweiten geplanten Wüstenetappe entschlossen wir uns, dann doch lieber auf Asphalt zu bleiben und einen kleinen Umweg von 500km einzulegen. Es schien uns dann doch zu riskant, ganz alleine diese wenig befahrene Strecke in Angriff zu nehmen. So würden wir auch durch die Hauptstadt Nouakchott kommen, was uns ermöglichte, schon mal ein Visum für Mali und die Autoversicherung zu besorgen. Vorher kamen wir durch Atar, die sog. heimliche Hauptstadt der Mauren: Die Mauren haben in Spanien so viel hinterlassen, vor allem heute noch sichtbar die prachtvollen Bauwerke. Was ist bloß daraus geworden? Die Orte in Mauretanien haben einen bestimmten Baustil, der wohl eher klimatisch bedingt ist. Die Fenster der einfachen, alten Gebäude sind sehr weit unten, praktisch ebenerdig. Bestimmt nicht, um den Sand besser herausfegen zu können sondern wohl eher, damit die Luft besser zirkulieren und die Sonne nicht so stark hineinscheinen kann. Die neueren Gebäude ähneln - allerdings in Marokko noch viel mehr als hier - eher Legosteinen. Die typischen Verzierungen, die in so großer Vielfalt in den maurischen Palästen und Forts bewundert werden kann findet man nur andeutungsweise. Na ja, die deutsche Archtektur hat sich in den letzten Jahrhunderten auch verändert. - Nouakchott: Die Leute hier sind anders. Überall schlägt einem Freundlichkeit entgegen, hier aber ist es eher Herzlichkeit. Wir werden oft angesprochen, nur um ein Schwätzchen zu halten, ohne dass jemand dabei etwas verkaufen oder sich als Guide verdingen will, was allerdings auch daran liegen kann, dass es in der Stadt auch nicht allzuviel zu sehen gibt. Weniger schön ist auch die Orientierung in der Stadt. Der Plan im Reiseführer ist mehr als nur schematisch, die Karte im GPS 30 Jahre alt. Nach einer Stunde erfolglosen Suchens der französischen Botschaft machen wir erst mal eine lange Pause. Die Botschaft von Mali haben wir nur gefunden weil wir die GPS-Koordinaten hatten. Dafür bekamen wir das Visum aber auch sofort ausgestellt. Erst später fiel mir auf, daß Marken für 7500 UM eingeklebt waren, wir aber 10000 UM pro Nase bezahlt haben. Der Rest ist wohl für den Stempel oder die Pensionskasse der Konsulatsangestellten vorgesehen.
Der weitere Weg in Richtung Mali wurde von einem Abstecher zu den Wüstenkrokodilen von Matmata unterbrochen. Dort leben einige Krokodile in einer Wasserstelle in den Bergen, viele hundert Kilometer von den nächsten Artgenossen entfernt und Überbleibsel aus prähistorischer Zeit, aus der auch die Felszeichnungen stammen, die Giraffen und andere Tiere zeigen, die es schon lange nicht mehr in der jetzt vier trockeneren Sahel- und Sahara-Zone gibt. So weit ich weiß gibt es solche Wüstenkrokodile nur noch an einer anderen Stelle im Tschad.Wir fanden das Tal mehr schlecht als recht, ein ungeplanter Umweg führte uns dafür in ein malerisches Dorf und weit zurück durch ein weites, sehr sandiges Flußbett. Der Reiseführer beschreibt, daß es viel besser sein soll, sich den Krokodilen von oben über einen Felsabhang zu nähern, da die sehr scheu sind, wir kamen aber den Fluß hinauf. Fluß eigentlichnicht gerade, zumindest jetzt in der Trockenzeit bleiben nicht mehr als ein paar Tümpel mit trübem Wasser zwischen den Felsen übrig. Wir gingen vorsichtig, da wir in jedem Tümpel erwarteten, von einem riesigen Krokodil angegriffen zu werden, waren aber beruhigt, als wir ein paar Jungs am Wasser sahen. Nach einer guten Stunde bemerkten wir Spuren im Sand, die wir zuvor nicht gesehen hatten: Krokodile - dachten wir - allerdings nicht gerade riesig. Wir wurden wieder vorsichtiger, und tatsächlich raschelte es vor uns und ein paar Meter entfernt verschwand eine ca. anderthalb Meter große Echse zwischen den Steinen und dann im Wasser. Waren das die Wüstenkrokodile? Wir schlichen weiter, bis zu dem kleinen See am Ende des Tals und gingen auf die Lauer. Oben am Fels sahen wir noch ein paar andere Touristen. Aber keine Spur von Krokodilen. Wörtlich: nicht mal Spuren. Nach einer Weile gingen wir dann doch lieber zurück, um vielleicht noch einen Blick auf die Echse weiter unten erhaschen zu können. Und tatsächlich hatten wir Glück. Um aber noch vor der Dämmerung ans Auto zu kommen gingen wir aber bald weiter und als wir fast angekommen waren gabe es auf einmal einen großen Platsch. Wieder eine Echse? Nein, was wir zuerst für ein Holzstück im Wasser gehalten hatten entpuppte sich tatsächlich als waschechtes Krokodil, von dem nur der Kopf etwas herausschaute. Noch ein paar Schritte weiter lag gar noch eines auf einem Felsen und sonnte sich. Und wir waren ein paar Stunden zuvor ahnungslos vorbeigeschlendert.
Und dann war da noch ...... der Polizist, der uns mit großer Geste zum Anhalten brachte, aber ausnahmsweise mal nicht um unsere Pässe anzuschauen, sondern um sich und zwei Säcke Zement in den nächten Ort chauffieren zu lassen. Angesichts der Uniform konnten wir diesem Verlangen kaum widersprechen. ... die Polizeistation (die letzte von den ca. 100, an denen wir auf dem Weg unsere Pässe vorzeigten) an der Grenze zu Mali, an der wir nochmal zur Kasse gebeten wurden. Nach einer halben Stunde Diskussion, die Teresa mit unglaublichem Geschick in Richtung Fußball lenkte, durften wir dann doch ohne zu bezahlen durch. Auch der Grenzer auf der malischen Seite wollte die lokale Wirtschaft mit einer Spende von uns unterstützen (das sei eine neue Richtlinie und so weiter), aber auch hier wurden wir nach einiger Diskussion mit einem 'aber beim nächsten mal müsst ihr zahlen' durchgewunken. ... die Sache mit der Kupplung. Die ging plötzlich nämlich nicht mehr, das Pedal war ohne Funktion. Und wo passiert einem so was? Da wo man mal drauftritt, nämlich an, nein besser gesagt mitten auf, der belebtesten Kreuzung eines Ortes. Zum Glück waren sofort mindestens zwanzig hilfreiche Männer zugegen, die alle in fremden Zungen durcheinander auf uns einredeten. Ich bekam schon Panik, jetzt mitten im Ort den Computer anwerfen, im digital mitgebrachten Werkstatthandbuch mal eben nachsehen wie man eine Kupplung wieder in Gang bringt und das dann auch mal eben so hinbekommen? Zum Glück erschien aber auch ein Mechaniker, der mit ein paar geübten Handgriffen das Seil wieder befestigte und danach (mit etwas Geduld) von der Vorstellung abzubringen war, dass mein Name Krösus ist. Wir verblieben beide zufrieden mit der Übergabe von umgerechnet 5 Euro, einer Zange und ein paar Pröbchen Parfum für die Liebste zu Hause. Aber gut, dass ich genau zugeschaut hatte, die afrikanische Art der Reparatur mit zusammenhämmern, wieder aufbiegen, Stück Draht drumrum hielt nur ein paar Kilometer und ich durfte dann selbst üben. Immerhin hält meine Reparatur jetzt schon ein paar Tage. Hier geht's zum Fotoalbum