
Die Haupt- und am nächsten an Südafrika gelegene Stadt Maputo hatten wir ein paar Wochen zuvor mit den Kindern schon kennen gelernt, mußten aber nochmal hin, um das Malawi-Visum für Teresa zu besorgen. Aber wie schnell man sich doch an Ordnung und Sauberkeit gewöhnt. Nachdem wir einmal quer durch Afrika gereist sind und da vieles mitgemacht haben, hatten wir die letzten Monate im sauberen Namibia und Südafrika verbracht, die uns dahingehend sehr verwöhnt haben. Da hat uns die Nacht in einem mosambikanischen Backpacker-Hotel schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und wir fragten lieber im örtlichen Segelverein nach, ob wir nicht auf deren Gelände die nächste Nacht verbringen durften, was zum Glück auch ging. Besonders freute uns, dass wir nicht nur den nächsten Tag gemütlich am Pool mit Blick auf die Stadt verbringen konnten, sondern die Übernachtung außerdem noch gratis war. So konnte ich die 100US$ für Teresas Malawi-Visum leichter verkraften. Mit dem in der Tasche stand erstmal Erholung auf dem Reiseplan. Wir verbrachten die nächsten Tage gemütlich am Strand, auch um endlich den Südafrika-Reisebericht zu schreiben.
Zuerst waren wir in Xai-Xai, wo wir einen schönen Platz direkt am Strand fanden, aber nach zwei Tagen hatten wir zu viel von den übereifrigen Ordnungshütern, die sich regelmäßig im Morgengrauen um unsere Sicherheit sorgten und uns dabei um den Schlaf brachten. Einen ruhigeren Platz fanden wir in Paindane. Dort konnten wir am Riff wunderbar schnorcheln und vom Camp aus Grauwale vorbeiziehen sehen. Wir blieben bis uns das Geld ausging, nur gut dass wir so wenig dabei hatten, sonst wären wir vielleicht immer noch da ...
Weiter ging es durch charmante Städtchen wie Inhambane und via traumhafter Strände wie Morrungolo langsam in Richtung Norden. Unterbrochen wurde die ohnehin gemütliche Fahrt durch unser neues Hobby. Wenn es sich ergibt, suchen wir Konfluenzpunkte auf. Das sind die Stellen, an denen sich die Längen- und Breitengrade schneiden. Es gibt dazu im Internet ein Projekt, in dem wir uns jetzt auch verewigt haben. Wenn man es geschafft hat, an einen solchen Punkt zu gelangen macht man ein paar Fotos und lädt sie hoch, so dass sich letztlich ein 'komplettes' Bild der Erde ergibt. Es ist überraschend, wieviel Spaß es macht, einen Weg zu finden, der einen halbwegs in die Nähe eines solchen Punktes bringt, und sich den Rest der Strecke durch den Busch zu kämpfen, den die Einheimischen 'mato' nennen. Das spanische Wort mato bedeutet 'ich töte', da wird das portugiesische nicht viel anderes heißen. Aber wir wurden verschont. Nur unser Auto, das ist unter einem tiefhängenden Ast steckengeblieben und jetzt ist die Dachbox hinüber. Wir haben recht gute Detailkarten, die - abgesehen davon dass sie rund 30 Jahre alt sind und in russischer Schrift sind - überraschend genau die Topographie und oft auch kleinere Wege wiedergeben. Aber ob diese Wege von einem großen Auto befahren werden können steht auf einem anderen Blatt, so dass wir öfter mal Abstecher machen, die sich als Sackgasse erweisen. Immer wieder treffen wir so aber auf wunderbare Menschen, die unter einfachsten Verhältnissen leben. Ein Freilichtmuseum ist nichts dagegen. Und die letzten Meter oder Kilometer auf Fußwegen oder quer duch den Busch lassen uns erahnen, wie es früher einmal in ganz Afrika war.
Bei unserem ersten Punkt war besonders nett, wie eine Frau, die wir mitten im Wald trafen, voller Überzeugung meinte, sie wüßte wonach wir suchen, unsere Freunde wären auch schon da gewesen. Es ist auch etwas schwierig zu erklären, dass man nach einem bestimmten Punkt sucht, an dem eigentlich nichts ist. Wir wurden neugierig, was sie wohl meinen könnte (und welche Freunde?), zumal sie meinte, es sei überhaupt nicht weit entfernt. So folgten wir ihr. Auf einem schmalen Pfad hatten wir Mühe, ihrem geschmeidigen und ausgesprochen flotten Gang (oder umgekehrt?) zu folgen, und das obwohl sie einen 25-Liter Kanister voll mit Wasser auf dem Kopf trug. Eine Stunde später waren wir am Ziel - voller Stolz wies sie auf einen kleinen gemauerten Steinsockel und fragte, ob wir jetzt auch wirklich sehr glücklich wären. Klar, waren wir. Sie wußte auch nicht was der bedeutete und schob noch eben ein paar Steine zusammen, die die Kinder beim Spielen abgebröckelt hatten. Ist aber auch egal, es war ein wunderbarer Ausflug und wir kamen spät nachmittags erschöpfter als wir zugeben wollten wieder am Auto an. Gut dass wir die Position des Autos im GPS gespeichert hatten, sonst wären wir vielleicht noch immer da ...
In Erinnerung wird uns auch der Nachmittag bleiben, den wir mit den Frauen am Brunnen verbrachten. So bitter es auch ist, kilometerweit zum Brunnen laufen zu müssen um Wasser zu holen, so nett ist es, wenn sie alle zusammenkommen und die Wartezeit nutzen, Neuigkeiten auszutauschen und Geschichten zu erzählen. Nirgendwo haben wir solche Warteschlangen gesehen wie hier im ganzen Land.Und wir genießen das Essen. Das tun wir eigentlich sowieso, aber hier verputzen wir Riesengarnelen frisch aus dem Meer, kiloweise. Wir sparen uns die Beilagen und essen dafür mehr Meeresgetier. Dem Eiweißschock entgehen wir indem wir uns irgendwann weiter ins Landesinnere begeben, denn es gibt nicht viele Möglichkeiten, den Sambesi zu überqueren. Zwei, um genau zu sein. Eine Fähre und eine Brücke ein paar hunder Kilometer weiter. Wir entscheiden uns für die Brücke weil diese Strecke uns vom Blick auf die Karte landschaftlich reizvoller erschien. So hatten wir auch Gelegenheit, Hamsterkäufe von Zimbabwern zu beobachten. Chimoyo ist in der besonderen Lage, den zur Grenze nächstgelegenen Shoprite-Supermarkt zu haben und das nutzen die Bewohner des geschundenen Nachbarlandes für Wochenendausflüge reichlich aus. So wie wir, auch wir stocken unsere Vorräte auf, denn wer weiß wo es das nächste mal Olivenöl und dergleichen gibt.Das wird auf dem Rest der Strecke nochmal reichlich durchgeschüttelt. Als wir nachmittags Chimoyo verließen meinte ein Mit-Gast noch, dass es wohl schon etwas zu spät wäre, um die 350 km entfernte Stadt Tete zu erreichen. War es in der Tat, wir brauchten für die Strecke drei geschlagene Tage. Allerdings nicht nur wegen der Schlaglöcher sondern auch weil wir noch Ruinen eines Makonde-Dorfes besuchten und immer wieder 'aufgehalten' wurden.
aufgehalten ...
Hier die Fotos