
Wenige Meter hinter dem angolanischen Schlagbaum befanden wir uns in einer anderen Welt, eine Grenzstation mit asphaltiertem Parkplatz, Toiletten, sauberen Toiletten sogar, sogar mit Spiegel über dem Waschbecken, mit Wasserhähnen, die nicht tropften oder gar bei der Berührung auseinanderfielen, einem funktionierendem Computer statt dem bisher üblichen großen Buch, und später sogar einem richtigen kleinen Campingplatz mit sanitären Einrichtungen, gar einer heißen Dusche. Aber es regnet. Da war es im ersten Augenblick gar nicht
so tragisch, dass sich der Scheibenwischer nicht mehr ausschalten ließ. Als ich das repariert hatte ging er nur noch jedesmal kurz an wenn man den Wagen startete. Auch das bekam ich in den Griff, aber plötzlich ging er an wenn man hupte, und das kommt in der Gegend schon mal öfter vor, wegen dem vielen Vieh auf der Straße. Zum Glück ging das von selbst wieder weg, wahrscheinlich war das ganze Theater darauf zurückzuführen, daß der Sicherungskasten zu nass geworden war als es einmal reinregnete. Wir legten ein paar Tage Pause ein, aber es regnete weiter, die ganze Gegend stand unter Wasser.
Wir wollten näher an die Küste, denn da müsste es trockener sein, aber die angolanischen Straßen hatten ihren Preis, etwas an der Lenkung brach und nur noch drei Räder fuhren in die gewünschte Richtung. Zum Glück befanden wir uns nur zwei Stunden entfernt vom Hauptort der Region und ich konnte mit dem ausgebauten Teil und begleitet von einer Gruppe Himbas einen kleinen Ausflug mit dem Buschtaxi machen, um es schweißen zu lassen. Erst spät abends kam ich zurück und erlöste Teresa von einer Gruppe junger Frauen aus dem nahegelegenen Dorf, die es für ihre Pflicht gehalten hatten, ihr den ganzen Tag Gesellschaft zu leisten.
Natürlich war es nicht möglich, mit einer provisorisch reparierten Lenkung das unwegsame Kaokoland in Nordwesten Namibias zu erkunden, also ändern wir den Plan und fuhren Richtung Windhoek, ein Ersatzteil besorgen. Schon nach kurzer Zeit wurden wir aber wieder mutiger und wählten dann doch wieder einen Umweg - auch weil die Frauen im Dorf erzählt hatten, die Gegend sei gefährlich und es gäbe viele wilde Tiere (also nichts wie hin!). Nur wurde die Strasse immer weniger und wir zitterten bei jedem Stock und Stein um unsere Lenkung. Aber alles hielt und wir sahen tatsächlich Antilopen, Zebras und Giraffen, die wir zu Fuß ein Stück verolgten, bis wir Rückenwind bekamen und sie mit ihren Zeitlupen-Bewegungen das Weite suchten.
Über-mutig geworden erlauben wir uns anschließend noch einen kleinen Abstecher in den Etosha Nationalpark, aber alle größeren Tiere versteckten sich tief im Busch, was um diese Jahreszeit nichts ungewöhnliches ist, und wir sahen 'nur' Antilopen, Strauße, Zebras und ein paar Gnus. Just als wir am nächsten Tag vom Parkplatz fahren wollten macht es plötzlich knack und das geschweißte Teil bricht erneut. Glück im Unglück, daß uns das nicht am Vortag mitten im Busch passiert war, sondern auf dem Parkplatz des Camps. Mit Hilfe der parkeigenen Werkstatt wurden wir wieder flott und dann aber ganz vorsichtig fuhren wir weiter in Richtung Werkstatt. Ostern stand vor der Tür, so daß es gar nichts nützen würde, sich zu beeilen und wir wollten die Tage am Waterberg verbringen, wo es uns bei unserem letzten Besuch in Namibia besonders gut gefallen hatte. Und hier fühlten wir uns tatsächlich wie in einem typischen verregneten Sommer in Deutschland. Wir konnten Namibiern zusehen, die über Stunden hinweg ihr gesamtes Hab und Gut von einem überfluteten und versumpften Platz zu einem anderen transportierten. Kein Wunder dass die alle so große Autos fahren, wenn man den halben Hausstand inklusive einer mit einem masiven zusammenklappbaren Gestell versehenen Campingspüle (nicht Stühle, Spüle) mitnimmt. Wenigstens die Kinder hatten Spaß, im Matsch zu plantschen. Wir nicht, also fuhren wir noch ein Stück weiter nach Süden. Immer in der Hoffnung, dem Ende des Regens entgegenzufahren.
In Windhoek verbringen wir ein paar Wochen in der Stadt mit Einkaufen, während das Auto in der Werkstatt ist, denn die ganze Lenkung muß (leider mehrmals) überholt werden und auch das Problem mit dem Kreuzgelenk, das sich zum Dauerbrenner entwickelt hatte, wird jetzt ebenfalls mal gründlich behoben. ... So, sechs Wochen später geht es endlich weiter. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Wir haben einen Ausflug an die Küste und zum Messum Crater in der Namib gemacht und hatten zwei Wochen lang Besuch, mit dem wir dann mal schnell nochmal knapp 2500km runtergerissen haben. Insgesamt haben wir in den acht Wochen Namibia unglaubliche aber beim Nachrechnen immer noch ungefähre 6800 km abgefahren. Tja, die Pisten sind gut und die Entfernungen groß. Und das obwohl der Wagen mit Unterbrechungen 15 Tage in der Werkstatt verbracht hat. Und das war das eigentliche Abenteuer Namibia. Die Natur ist schön, aber die afrikanische Art mit anderer Leute Zeit umzugehen ist abenteuerlich (nicht nur hier, aber in Namibia haben wir es nun mal deutlich zu spüren bekommen). Um es auf drei Sprichworte zu reduzieren: - "Wenn einmal der Wurm drin ist ..." - "Was lange währt wird endlich gut" - und hoffentlich "Ende gut alles gut". Details zur Reparatur siehe hier. Windhoek ist eine nette Stadt, allerdings fiel es mir schwer, mich an hohe Mauern, Wachhunde und Elektrozäune um jedes Grundstück zu gewöhnen. In den Hotels sind Warnungen ausgehängt, man solle abends nicht mehr zu Fuß rausgehen, das Auto nicht unbewacht lassen, Kameras und dgl. nicht offen herumzutragen. Das kam uns etwas übertrieben vor, die Stadt wirkt nicht gefährlicher als jede andere (sicher aber gefährlicher als andere namibische Städte), und die Elektrozäune wirkten auf uns etwas paranoid. Aber nachdem wir gerüchteweise hörten, daß es in unserem Hotel - bevor es den Elektrozaun gab - schon mal einen bewaffneten Überfall gab und Teresas Rucksack bem Warten an der Fußgängerampel befingert wurde, können wir die Warnungen eher nachvollziehen. Trotz alledem ist Windhoek sicher kein gefährliches Pflaster; allerdings sind die auffällig vielen Touristen, die zu Beginn und Ende ihrer Reise die Stadt besuchen, sicher verführerisch. Die City ist nach Geschäftsschluß (spätestens um 17:00 Uhr ist alles außer den großen Supermärkten zu) wie ausgestorben, so daß man gar keine Veranlassung hat, hier im Dunkeln noch spazieren zu gehen. Für die besseren Wohngebiete gilt das gleiche; außer in den Vierteln, in die man die schwarze Bevölkerung an- und zwangsumgesiedelt hat, gibt es (außer vor den Bottle Stores) kein Leben auf der Straße. Sehr viele Weiße gibt es in Namibia, zumindest kommt es einem so vor, auch wenn die Statistik nur von 6% spricht (dagegen 80% Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt). Das Gefühl rührt daher, daß man sich als wohlhabender Tourist nun mal nicht in den Vororten aufhält, und das Geschäftsleben Namibias ist nach wie vor weiß geprägt.
Und es gibt Geschäftsleben; nicht daß wir bisher unter Konsumentzug gelitten hätten, aber das Angebot an allem was man prötzlich so zu brauchen meint, ist scheinbar direkt korreliert mit der Anzahl der Geldautomaten und somit verfügbarem Geld. Sechs Monate lang haben wir praktisch nur einmal pro Land einen Großeinkauf an europäischen Lebensmitteln gemacht (so groß wie wir halt im Auto verstauen können) und hie und da mal ein Mitbringsel gekauft. Hier gibt es deutliche besser ausgestattete Supermärkte (dafür praktisch keine offenen Märkte auf der Straße mehr), erstmals auf der Reise eine Souvenirindustrie, auch mit reichlich importierten Waren, vor allem aus Kenia, und europäisch wirkende Geschäfte für alles mögliche. Das ließ auch uns nicht unbeeinflußt und hat die Reisekasse natürlich etwas erleichtert.In diesem Zusammenhang sollte vielleicht erwähnt werden, dass bei einem Preisniveau was nur wenig unter dem Europas liegt (im Supermarkt wohlgemerkt, nicht für Dienstleistungen), der Mann, der uns die Reifen auswuchtete, ganze 800 namibische Dollar verdient, also weniger als 80 Euro - im Monat. Das Auswuchten von 5 Rädern hat somit mehr als einen halben Monatslohn gekostet, ich finde das regt zum Nachdenken an. Einfache Bürokräfte verdienen zwischen 2500 und 4000 Dollar. Aber zum Glück waren wir ja nicht die ganze Zeit in der Stadt. Bis hinauf ins Kaokoland sind wir nicht mehr gefahren, aber es reichte für ein langes Wochenende in der Namib südlich des nicht-öffentlichen Bereiches der sog. Skelettküste. Überhaupt, der größte Zeil der namibischen Küste und damit der Namib-Wüste ist für individuelle Besucher nicht zugänglich. Entweder ist es Konzessionsgebiet von Reiseveranstaltern, gesperrter Nationalpark oder Diamanten-Sperrgebiet. Lediglich ein Stück von vielleicht 200km Küstenlänge rund um Swakopmund, Walfis Bay und die Zufahrt nach Lüderitz (einem weiteren Ort an der Küste) sind öffentlich zugänglich. Davon abgesehen gibt es vom Landesinneren aus nur eine einzige Stichstraße in die Dünen (Sussousvlei), die natürlich touristisch entsprechend genutzt wird. Direkt an der Küste befindeet man sich in einer Wüste wie sie nicht wüstenhafter sein könnte - wir im Nebel oder unter einem tristen bleigrauen bewölkten Himmel und Temperaturen die einen schaudern lassen - vor Kälte. Zumindest uns jetzt im Südherbst. Aber zur Ehrenrettung - auch die Einheimischen hatten alle dicke Jacken an. Wenige Kilometer landeinwärts die gleiche Wüste in einem ganz anderen Licht. Wolkenlos - bisweilen allerdings auch mit einem kalten Wind. Eine kalte Wasserströmung direkt aus der Antarktis macht nicht nur das Baden zu einem zu dieser Jahreszeit zweifelhaften Vergügen, das sich nur noch vereinzelte Kinder gönnen, sondern sorgt auch für dieses häufige Wetterphänomen. Wir wollen Wüste, aber mit Sonne, also fahren wir landeinwärts und verbringen ein paar Tage in einem Vulkankrater. Den kann man allerdings nur als solchen erkennen wenn man vorher schon weiß wo man ist. Das tut der Schönheit dieser unberührten Landschaft aber keinen Abbruch und wir genossen ein paar Tage die Stille und die Einsamkeit, bis wir uns wieder auf die lange Fahrt nach Windhoek machen mußten.
Die nächsten zwei Wochen vergingen wie im Fluge. Wir machten eine große Namibia-Rundfahrt und besuchten die Orte, die nach unserer Meinung am ehesten in so kurzer Zeit einen Einduck vom Land vermitteln können. Das war natürlich der Etosha Nationalpark, dann die Felszeichnungen von Twyvelfontein, danach durch die Wüste weiter an die Küste, Besuch der Robbenkolonie von Cape Cross, Swakopmund, Walfis Bay, und dann zurück durch den Namib-Naukluft-Park über den Kuiseb- und den Gamsbergpass nach Windhoek. Klar haben wir dabei vieles ausgelassen, aber zwei Wochen sind nun mal nicht allzuviel wenn man nicht jeden Tag den ganzen Tag im Auto sitzen will.
Acht Wochen in Namibia sind schließlich vorbei als das Auto endlich fertig ist. Uns bleiben nur noch 5 Tage bis das Visum ausläuft. Wofür bleibt noch Zeit und wohin jetzt? Weiter nach Süden und nach Südafrika? In sechs Wochen kommt der nächste Besuch nach Johannesburg und bleibt vier Wochen. Das würde bedeuten, zweieinhalb Monate im Land zu verbringen, was uns dann doch etwas zu viel des Guten erscheint. So machen wir lieber noch einen Schlenker durch Botswana und verbringen etwas Zeit entspannt im Busch bevor wir uns dann Richtung Kapstadt und damit dem Wendepunkt der Reise aufmachen.Aber bis dahin hier zum Träumen die Fotos aus Namibia