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Letzte Änderung:
May 14. 2010 21:44:26

Zitat 5: Unbenanntes Dokument Der Gewinn eines langen Aufenthaltes außerhalb unseres Landes liegt vielleicht weniger in dem, was wir über fremde Länder erfahren, sondern in dem, was wir dabei über uns selbst lernen. Roger Peyrefitte (*1907), frz. Schriftsteller u. Politiker

 

 

 

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and Teresa

Nigeria

Tankstelle in Nigeria

Nigeria hat einen ziemlich schlechten Ruf. Nicht nur, dass kein ebay Verkäufer dorthin etwas schicken will, sondern auch unter Reisenden. Es sind Horrorgeschichten im Umlauf von unendlich vielen legalen und illegalen Roadblocks, die Nagelbretter auf die Straße legen und dann beim Durchreisenden abkassieren. Erst würde grob der Wert des Autos und damit die Zahlungskräftigkeit der 'Kundschaft' abgeschätzt, danach eine entsprechende Summe verlangt. Andererseits ist Nigeria das am weitesten entwickelte Land West- und Zentralafrikas mit großen Erdölreserven; das verspricht jede Menge asphaltierte Straßen und billigen Sprit. Und man spricht englisch, was die ganze Angelegenheit erheblich vereinfacht. Wir glauben zwar, dass alles heißer gekocht als gegessen wird, aber wir haben den Süden des Landes gemieden, in dem es am schlimmsten sein soll. Der Spiegel hat Lagos, die zweitgrößte Stadt Afrikas nach Kairo, einmal als den 'wuchernden Eiterpickel in der Achsehöhle Afrikas' bezeichnet. Da müssen wir nicht hin. Und so haben wir am ersten Tag durch die Provinz insgesamt

  • 30 Strassensperren passiert, allerdings brauchten wir bei der Hälfte davon nicht anhalten. bestimmt 100 Tankstellen gesehen, allerdings waren die meisten ganz geschlossen und verfallen, und nur ein oder zwei hatten Diesel zum Verkauf.
  • mindestens 500 mal zurückgewunken, wenn uns Kinder und Erwachsene am Wegesrand freundlich zugewunken haben. Wir fühlten uns zeitweise wie Prinz und Prinzessin im rheinischen Karnevalszug

Mittagessen im DorfStrassensperre mit NagelbrettTankstelle

In den nächsten Tagen wurde all dies schon weniger. Aber der Weg nach Abuja, der Hauptstadt Nigerias, war weit, und er kam uns durch die zeitweise sehr schlechten Straßen noch viel weiter vor. Eine wunderbar glatt asphaltierte Straße kann sich von einem Meter auf den anderen in eine Schlaglochstrecke verwandeln, die man nur im Schrittempo durchfahren kann. Dann muß man gleichzeitig auf die Schlaglöcher, Gegenverkehr und vor allem auf den rückwärtigen Verkehr achten. Unabhängig von Gegenverkehr und Straßenzustand scheint auf Nigerias Straßen eine Dauer- Rallye stattzufinden; es wird überholt wo es geht und oft genung auch wo es eigentlich gar nicht geht. Straßensperren gibt es im Landesinneren viel weniger, meist genügt ein kurzer Stop, und nur manchmal müssen wir lange diskutieren. Allerdings nicht wegen der befürchteten Bestechungsgelder sondern wegen einer Vignette, die immerhin 50€ kosten soll und die wir uns nach Möglichkeit natürlich sparen wollen. Bereits zweimal mußten wir höhere Instanzen einschalten, einmal haben wir die Polizei rufen lassen, um die Sache zu klären und es kam ein Mann vom Geheimdienst vorbei, der ein paar Worte mit dem unwilligen Beamten wechselte, beim zweitenmal hat Teresa einfach ein modernes Auto angehalten, in dem zufällig dann auch irgendein wichtiger Mensch saß, der dann ebenfalls den Beamten zurechtwies. Nicht unbedingt weil diese Leute wußten, ob wir nun tatsächlich diese Gebühr nicht zu zahlen hätten oder nicht, sondern eher um uns zu demonstrieren, welchen Einfluß sie haben. Ansonsten reichte immer ein netter Plausch, um die gelegentlichen Forderungen nach einem Souvenir zu übergehen. In der Tat müssen wir viele Vorurteile revidieren. Die Leute sind unheimlich nett, wir wurden insgesamt nur fünf mal - und das nicht allzu penetrant - um ein "Mitbringsel" gebeten. Abuja ist auch ganz anders als wir es uns vorgestellt haben. Die Stadt wurde nach 15 jähriger Bauzeit 1991 zur Hauptstadt Nigerias und zählt gut 400.000 Einwohner. Es ist eine richtig große, saubere, sehr moderne Stadt; vor allem im Zentrum fühlt man sich fast wie nach Europa versetzt. Wir glauben, daß die ärmere Bevölkerung mit Staatsgewalt aus dem Stadtzentrum ferngehalten wird; es gibt keine kleinen Verkaufsstände, keinen Markt, im Zentrum eigentlich überhaupt keine Klein-Geschäfte, sondern nur Büros, Ministerien, Banken und sogar ein Einkaufszentrum mit Kino, Buchhandlung, Boutiquen etc.. In den ebenfalls auf dem Reißbrett geplanten anschließenden Stadtteilen mischt sich dann das Bild; hier wohnen die Angestellten in schmucken Häuschen, woanders gibt es Gewerbe und noch weiter draußen wird weiter fleißig gebaut, eine Mustersiedlung neben der anderen. In Abuja machten wir wieder unseren regelmäßigen Großeinkauf an Luxusgütern und gingen zum ersten mal in ein Fast-Food-Restaurant 'a la Africana'.

Landschaft in NigeriaAbuja

Landschaftlich tut sich auf unserer Fahrt durch das Land nicht allzu viel; dichte Savannenlandschaft, wo kein Ackerbau betrieben wird, um diese Jahreszeit sehr trocken, dicht besiedelt, vor allem entlang der Flußniederungen und der Straßen, und relativ flach. Abuja selbst ist reizvoll zwischen einigen felsigen Hügeln gelegen. Die Bauweise ist kaum noch traditionell, auch in den Dörfern sieht man nur rostige Wellblechdächer. Viele Dörfer entlang der Straßen sind ziemlich häßlich und sehen eher aus wie LKW-Reparaturplätze, vor allem wenn sie von unzähligen verlassenen oder verlassen scheinenden Tankstellen eingerahmt sind. Aber einige Städtchen haben Charme, sobald ein paar größere Bäume da sind und mit etwas Farbe an den Häusern, die z.T. noch kolonialen Stils sind, wirken die Ortschaften gleich viel netter.

Fulbe FrauFulbe Frau

Besonders nett war auch der Grenzort in Richtung Kamerun, den wir nach 5 Stunden übler Piste erreicht haben. Wir hatten genügend Zeit, ihn zu besichtigen, denn der Polizeichef mußte erst mal den Vertreter des abwesenden Zollbeamten suchen lassen. Wie sich herausstelle war er fischen gegangen. In der Zwischenzeit wurden wir von einer Sicherheitseskorte durch das Dorf begleitet. Als der Vertreter des Zollbeamten dann erschienen war, eröffnete er uns, daß er wohl einen Schlüssel für das Zollbüro habe, aber der Beamte den Stempel mitgenommen hätte. Somit war unser Plan, Nigeria hier zu verlassen, gestorben, und wir legten ungefähr einen Tag Umweg ein, um dann nach 10 Tagen und rund 2500 km durch Nigeria etwas weiter südlich als geplant nach Kamerun einzureisen. Überraschungen:

  • beim Versuch, Geld zu wechseln sprach der Mann von der Bank (Filialleiter) davon, dass es nichts ungewöhnliches sei, wenn hier (in Abuja) jemand mit einer Million Dollar in Bar auf die Straße geht.Wir glauben allerdings, dass er da etwas übertrieben hat. Hätten wir statt der 450€ eine Million tauschen wollen wäre das ebenso kein Problem gewesen. Problematisch war nur, daß der Umtausch gar nicht in der Bank möglich war, sondern der Manager einen Bekannten vom Schwarzmarkt anrief, der dann einen Geldboten schickte. Wir sind halt in Afrika. Und wen man auch immer mit einem Problem belästigt, nie wird man abgewiesen mit 'habe keine Zeit', 'weiß ich auch nicht', 'kann ich auch nichts dran ändern'.
  • Im letzten Ort vor der kamerunischen Grenze wollten wir nigerianische Naira in zentralafrikanische Franc wechseln. In der Bank fragten wir also: Wieviele CFA bekommt man für 100 Naira. Antwort 1: 170 Naira für 1 Euro. Nein, nein, die Frage war wieviele CFA für 100 Naira - Antwort 2: 145 Naira für 1 Dollar. Nein, Nein, die Frage ist:.... Antwort 3: CFA?, wissen wir nicht. Der Filialleiter kam vorbei, ließ sich das Problem schildern, ging wieder weg, kam wieder. Er rief jemanden mit seinem Mobiltelefon an, nach 10 min der Rückruf, 1000 CFA= 263 Naira. Die Weißen immer mit ihren komplizierten Fragen. Diese außergewöhnliche Währung CFA ist immerhin die Währung der Nachbarländer Benin, Tschad und Kamerun, außerdem im Kongo, Gabun, Äquatorial Guinea und der Republik Zentralafrika. und wird mit dem gleichen Kurs gewechselt wie der CFA Westafrikas, den nochmals rund 10 Länder als Währung haben. Gut dass wir in diesr Bank kein Konto haben.
  • Nigeria ist in Sachen Ölförderung auf Platz 6 und Tankstellen gibt es reichlich, das überrascht angesichts dieser Tatsache nicht. Hätten wir statt Straßensperren Tankstellen gezählt hätten wir den Block sicher voll bekommen. Ich schätze jetzt mal aus der Erinnerung auf 1000 Stück. Also nicht im ganzen Land, sondern nur auf unserer Route. Davon schätze ich 100 im Bau, 200 verlassen und 698, die keinen Diesel hatten (an den restlichen beiden haben wir getankt). Nie hätten wir gedacht, daß es schwierig sein würde, ausgerechnet in Nigeria an Treibstoff zu kommen.
  • Wir kommen ins nigerianische Fernsehen. Es ist offenbar so exotisch, Touristen in Nigeria zu sehen, daß uns ein Typ angehalten und interviewt hat. Wir fühlen uns in den Aufnahmen nicht besonders gut getroffen, aber vielleicht kommen sie ja nicht zur Prime Time.
  • Und wieder das mit dem Visum. Freitag Mittag kamen wir an die Botschaft (ich dachte die ganze Zeit, es sei Donnerstag) und mußten hören, Nigerianischer Polizistdaß das Visum für Kamerun erst am Montag fertig wäre. Als ich erwähnte, dass wir eigentlich nicht übers Wochenende bleiben wollten - ich dachte ja, es sei erst Donnerstag und es wäre möglich gewesen, Freitags das Visum zu bekommen - hatten wir schon wenige Stunden später unsere Pässe wieder in der Hand. Wir sind immer wieder sehr überrascht und erfreut, wie sich die Leute um uns kümmern, so wie auch der Mann von der Bank.
  • Grenzerfahrung: wir wollten in einem kleinen Dorf die Grenze nach Kamerun überqueren. Es gab dort zwar wie vorgesehen ein Zollbüro, aber keinen Zollbeamten und vor allem keinen Stempel. Demnächst werden wir wohl etwas genauer fragen müssen, um uns einen Umweg von einem Tag zu sparen.
  • An einer Brücke gleich hinter der Grenze sahen wir ein Autowrack und dachten noch 'da hatte jemand Pech'. Nach dem zweiten-dritten-vierten-fünften Wrack innerhalb der nächsten hundert Meter änderten wir unsere Meinung und waren froh, keine Fotos gemacht zu haben. Wer weiß, was hier vor sich gegangen ist
  • Die eigentliche Überraschung in Nigeria war, daß wir nur lächerliche fünf mal wegen eines 'Mitbringsels' angesprochen wurden. Keine Rede von Zock-Points und Halsabschneider-Erpressungsversuchen. Und die Polizisten waren eigentlich alle ganz nett.

Hier ein paar Fotos