
Nigeria hat einen ziemlich schlechten Ruf. Nicht nur, dass kein ebay Verkäufer dorthin etwas schicken will, sondern auch unter Reisenden. Es sind Horrorgeschichten im Umlauf von unendlich vielen legalen und illegalen Roadblocks, die Nagelbretter auf die Straße legen und dann beim Durchreisenden abkassieren. Erst würde grob der Wert des Autos und damit die Zahlungskräftigkeit der 'Kundschaft' abgeschätzt, danach eine entsprechende Summe verlangt. Andererseits ist Nigeria das am weitesten entwickelte Land West- und Zentralafrikas mit großen Erdölreserven; das verspricht jede Menge asphaltierte Straßen und billigen Sprit. Und man spricht englisch, was die ganze Angelegenheit erheblich vereinfacht. Wir glauben zwar, dass alles heißer gekocht als gegessen wird, aber wir haben den Süden des Landes gemieden, in dem es am schlimmsten sein soll. Der Spiegel hat Lagos, die zweitgrößte Stadt Afrikas nach Kairo, einmal als den 'wuchernden Eiterpickel in der Achsehöhle Afrikas' bezeichnet. Da müssen wir nicht hin. Und so haben wir am ersten Tag durch die Provinz insgesamt
In den nächsten Tagen wurde all dies schon weniger. Aber der Weg nach Abuja, der Hauptstadt Nigerias, war weit, und er kam uns durch die zeitweise sehr schlechten Straßen noch viel weiter vor. Eine wunderbar glatt asphaltierte Straße kann sich von einem Meter auf den anderen in eine Schlaglochstrecke verwandeln, die man nur im Schrittempo durchfahren kann. Dann muß man gleichzeitig auf die Schlaglöcher, Gegenverkehr und vor allem auf den rückwärtigen Verkehr achten. Unabhängig von Gegenverkehr und Straßenzustand scheint auf Nigerias Straßen eine Dauer- Rallye stattzufinden; es wird überholt wo es geht und oft genung auch wo es eigentlich gar nicht geht. Straßensperren gibt es im Landesinneren viel weniger, meist genügt ein kurzer Stop, und nur manchmal müssen wir lange diskutieren. Allerdings nicht wegen der befürchteten Bestechungsgelder sondern wegen einer Vignette, die immerhin 50€ kosten soll und die wir uns nach Möglichkeit natürlich sparen wollen. Bereits zweimal mußten wir höhere Instanzen einschalten, einmal haben wir die Polizei rufen lassen, um die Sache zu klären und es kam ein Mann vom Geheimdienst vorbei, der ein paar Worte mit dem unwilligen Beamten wechselte, beim zweitenmal hat Teresa einfach ein modernes Auto angehalten, in dem zufällig dann auch irgendein wichtiger Mensch saß, der dann ebenfalls den Beamten zurechtwies. Nicht unbedingt weil diese Leute wußten, ob wir nun tatsächlich diese Gebühr nicht zu zahlen hätten oder nicht, sondern eher um uns zu demonstrieren, welchen Einfluß sie haben. Ansonsten reichte immer ein netter Plausch, um die gelegentlichen Forderungen nach einem Souvenir zu übergehen. In der Tat müssen wir viele Vorurteile revidieren. Die Leute sind unheimlich nett, wir wurden insgesamt nur fünf mal - und das nicht allzu penetrant - um ein "Mitbringsel" gebeten. Abuja ist auch ganz anders als wir es uns vorgestellt haben. Die Stadt wurde nach 15 jähriger Bauzeit 1991 zur Hauptstadt Nigerias und zählt gut 400.000 Einwohner. Es ist eine richtig große, saubere, sehr moderne Stadt; vor allem im Zentrum fühlt man sich fast wie nach Europa versetzt. Wir glauben, daß die ärmere Bevölkerung mit Staatsgewalt aus dem Stadtzentrum ferngehalten wird; es gibt keine kleinen Verkaufsstände, keinen Markt, im Zentrum eigentlich überhaupt keine Klein-Geschäfte, sondern nur Büros, Ministerien, Banken und sogar ein Einkaufszentrum mit Kino, Buchhandlung, Boutiquen etc.. In den ebenfalls auf dem Reißbrett geplanten anschließenden Stadtteilen mischt sich dann das Bild; hier wohnen die Angestellten in schmucken Häuschen, woanders gibt es Gewerbe und noch weiter draußen wird weiter fleißig gebaut, eine Mustersiedlung neben der anderen. In Abuja machten wir wieder unseren regelmäßigen Großeinkauf an Luxusgütern und gingen zum ersten mal in ein Fast-Food-Restaurant 'a la Africana'.
Landschaftlich tut sich auf unserer Fahrt durch das Land nicht allzu viel; dichte Savannenlandschaft, wo kein Ackerbau betrieben wird, um diese Jahreszeit sehr trocken, dicht besiedelt, vor allem entlang der Flußniederungen und der Straßen, und relativ flach. Abuja selbst ist reizvoll zwischen einigen felsigen Hügeln gelegen. Die Bauweise ist kaum noch traditionell, auch in den Dörfern sieht man nur rostige Wellblechdächer. Viele Dörfer entlang der Straßen sind ziemlich häßlich und sehen eher aus wie LKW-Reparaturplätze, vor allem wenn sie von unzähligen verlassenen oder verlassen scheinenden Tankstellen eingerahmt sind. Aber einige Städtchen haben Charme, sobald ein paar größere Bäume da sind und mit etwas Farbe an den Häusern, die z.T. noch kolonialen Stils sind, wirken die Ortschaften gleich viel netter.
Besonders nett war auch der Grenzort in Richtung Kamerun, den wir nach 5 Stunden übler Piste erreicht haben. Wir hatten genügend Zeit, ihn zu besichtigen, denn der Polizeichef mußte erst mal den Vertreter des abwesenden Zollbeamten suchen lassen. Wie sich herausstelle war er fischen gegangen. In der Zwischenzeit wurden wir von einer Sicherheitseskorte durch das Dorf begleitet. Als der Vertreter des Zollbeamten dann erschienen war, eröffnete er uns, daß er wohl einen Schlüssel für das Zollbüro habe, aber der Beamte den Stempel mitgenommen hätte. Somit war unser Plan, Nigeria hier zu verlassen, gestorben, und wir legten ungefähr einen Tag Umweg ein, um dann nach 10 Tagen und rund 2500 km durch Nigeria etwas weiter südlich als geplant nach Kamerun einzureisen. Überraschungen:
Hier ein paar Fotos