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May 14. 2010 21:44:26

Zitat 107: Unbenanntes Dokument

Jeder Mensch brauch dann und wann ein bißchen Wüste! -- Sven Hedin (1865 - 1952)



 

 

 

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and Teresa

Ruanda

Affengesicht

Kurz entschlossen sind wir von Nord-Tansania nicht die letzten 30 km nach Kenia weiter gefahren, sondern haben nochmal ein paar harte Reisetage über schlechte Pisten auf uns genommen, um nach Ruanda zu kommen. Warum, fragt man sich. Wir haben überlegt, was wir uns gegen Ende der Reise noch gönnen wollen. In Frage kam ein Besuch eines Nationalparks in Tansania, der im eigenen Auto mit 250-350 US$ pro Tag nicht gerade preiswert ist, eine Besteigung des Kilimanjaro, die für jeden 1100 US$ gekostet hätte, oder ein Besuch unserer Verwandten im Bergregenwald Ruandas für 500 US$ pro Nase. Offensichtlich entschieden wir uns für das letztere.

Karte TansaniaSchon kurz vor der Grenze änderte sich die Landschaft, aus einer trockenen Ebene hoben sich immer mehr und immer grünere Hügel. Noch bevor wir in Ruanda ankamen wussten wir, warum es 'das Land der tausend Hügel' genannt wird. Zunehmend dichter wurde auch die Besiedlung, in Tansania noch überschaubar, ab der Grenze jedoch gab es keinen Flecken mehr ohne Leute. Und wir dachten, Malawi sei dicht besiedelt. Zum Glück hatten wir ein paar hundert Meter hinter der Grenze schon einen Übernachtungsplatz gesucht, noch weiter im Landesinneren hätten wir keinen mehr gefunden. Langsam, von einem Dorf gleich ins nächste, gelangten wir in die Hauptstadt Kigali, wo wir mit unserem Verkaufszettel am Auto gleich belagert wurden. Auf dem Zettel stand, dass wir das Auto verkaufen, zu welchem Preis und unsere Telefonnummer. Es gab viele Interessenten, leider wollte aber keiner von denen Geld ausgeben. Interessant war, dass immer wieder Leute auf den Zettel schauten und dann fragten 'Wollt ihr das Auto verkaufen?', anschließend 'Wieviel soll es kosten?' und zuletzt 'Habt ihr Telefon? Welche Nummer?'. Interessant war auch, dass keiner, wirklich keiner, der unsere Nummer notierte, jemals angerufen hat (um etwaigen Kommentaren zuvorzukommen - selbstverständlich hatten wir vorher ausprobiert, ob die Nummer auch stimmt).

Ja, wir wollten tatsächlich unser zu Hause verkaufen, aber warum eigentlich? Es ist so, dass nach fast einem Reisejahr nun doch nicht mehr jedes Land so aufregend ist wie es das am Anfang war. Will damit nicht sagen, dass es langweilig wäre, aber in vielerlei Hinsicht gibt es Wiederholungen in dem was wir so sehen. Und dann haben wir Länder vor uns, die für den Autotouristen eher schwierig zu bereisen sind. In Äthiopen findet man keine ruhige Minute weil man sich - wenn man allen andern glauben darf, mit denen wir gesprochen haben - sofort von einer Schar Bettler umgeben sieht. Ägypten ist nur via Fähre über den Nasser-See erreichbar, nicht gerade ein preiswertes Verkehrsmittel, nur um sich dann in die Fänge der agyptischen Bürokratie zu begeben. Durch Libyen kommt man nur mit einem Guide im Auto plus zig administrativer Mühen und Kosten, und dann nochmal eine nicht ganz billige Fähre von Tunesien nach Italen. Und das alles, um in Deutschland den TÜV bestehen zu dürfen, was nach der langen Reise nicht ganz problemlos werden dürfte. Dazu kommen deutsche administrative Hürden wie Teresas ablaufende Wiedereinreisefrist und das ablaufende Carnet de Passage.

So kam also die Frage nach einer Alternative auf. Von Kenia aus zu verschiffen wäre eine Möglichkeit, da das Auto aber nicht in einen Container passt, wäre das mit einigen tausend Euro nicht ganz billig, zumal das TÜV-Problem bestehen bleiben würde. Na ja, und dann kam irgendwann die Idee auf, das Auto weiterzugeben und heim zu fliegen. In Kenia zum Beispiel. Je mehr wir darüber nachdachten, desto mehr Charme bekam diese Variante. Als wir schon lange auf dem Weg nach Ruanda waren haben wir allerdings erfahren, das linksgelenkte Fahrzeuge in Kenia gar nicht mehr zugelassen werden dürfen. Und so kam es, dass wir beschlossen haben, uns schweren Herzens bereits in Ruanda voneinander zu trennen, da dort auf der rechten Seite gefahren wird und die Zulassung kein Problem ist.

Interessant ist vielleicht sogar in diesem Zuammenhang ein Blick auf die vor der Abreise geplante Route, die wir vor über einem Jahr gezeichnet haben. Auch hier schon hört die Linie in Ostafrika auf.

Hinweisschild für ein lokales VersöhnungskommitteeLandschaft in RuandaKigali

So verbrachten wir also eine ganze Weile in Kigali, ohne viel zu tun außer die Lage zu peilen. Schnell wurde uns klar, dass wir uns von Träumereinen was den Fahrzeugpreis anging, verabschieden mußten, zu viel wird an Zoll und Steuern aufgeschlagen. Allerdings haben wir es auch etwas blöd angestellt, indem wir den zuständigen Damen ehrlich von unserer Situation erzählt haben. Die Absicht war eigentlich, den Wagenwert für den Zoll anhand des tatsächlichen Kaufpreises festzusetzen, den wir dann auf dem Vertrag niedriger angegeben hätten, aber statt dessen gingen sie nicht davon ab, einen hohen Wert festzusetzen, denn wir hatten dummerweise erzählt, dass es sich um ein einzigartiges Campingfahrzeug handelt. Am Ende mußte der Käufer das gleiche, was er an uns zahlte, nochmal an den Zoll abführen. Es tat uns weh, uns vom Auto und damit von dieser phantastischen Art zu reisen, zu verabschieden, aber andererseits waren wir auch froh, so einige Sorgen weniger zu haben. Übrig blieb noch die mühevolle Entscheidung, was wir per Post heim schicken wollten, was dort blieb und was mit in den Rucksack sollte. Auf jeden Fall freuten sich die Hotelangestellten mächtig über ein paar Überraschungsgeschenke an Kleidung und Dingen, die im letzten Moment doch noch in Afrika bleiben mußten.

Virunga-VulkaneBergregenwald in RuandaPyrethrum-Feld an den Virunga-Bergen

Aber das eigentliche Highlight des Landes war natürlich der Besuch der Virunga-Vulkane im Volcanoes Nationalparks, auch wenn die Fotos alle etwas trist aussehen. Als wir in Kigali ankamen führte uns unser Weg erstmal zum Reservierungsbüro. Der Reiseführer sprach davon, dass man 3 Monate im voraus reservieren müsste, andere Reisende meinten, dass immer mal wieder was frei wäre, wenn man ein paar Tage Zeit hätte. Wir bekamen einen Termin eine Woche später, mit dem Ehrenwort, Bescheid zu bekommen, sollte noch früher etwas frei werden, und es sei überhaupt kein Problem, dann umzubuchen. Na gut. Ein paar Tage später wollten wir uns vergewissern. Wir gingen hin und überraschenderweise für alle gab es Platz für den folgenden Tag. Nur der Zettel mit unserer Telefonnummer war wohl gleich nach unserem letzten Besuch im Müll gelandet. Und umzubuchen war tatsächlich kein Problem, würde halt nur 250$ kosten. Aber die waren mit etwas zurückgehaltenem Ärger relativ schnell wegdiskutiert.

So ging es hügelauf-hügelab zur Wirkungsstätte von Diane Fossey, die keine weitere Werbung mehr braucht, seit ihre Forschungen an den Berggorillas mit Sigourney Weaver in dem Film 'Gorillas im Nebel' verewigt wurden. Leider regnete es - in Strömen. Und leider sah es nicht so aus, als würde es je wieder aufhören. So marschierten wir im Gänsemarsch los, 8 Touristen und ein Guide heißt es. In Wirklichkeit kommen noch zwei Soldaten dazu und ein Träger für jeden, der meint, seinen Tagesrucksack nicht selber tragen zu können. Jede Touristengruppe besucht eine Affenfamilie - von den 15 Gruppen, die es isnsgesamt in Uganda gibt, werden 7 Gruppen jeden Tag verfolgt und besucht. Verfolgt, weil eine Gruppe 'Tracker' schon früh morgens die Spur aufnimmt, und die Gruppe aufspürt, damit die Touristen nicht so lange herumsuchen müssen und die Wahrscheinlichkeit, die Gruppe zu finden, höher ist. Nachdem die Touristen weg sind bleiben die Tracker bis zum späten Nachmittag in der Nähe, um zu erfahren, wohin sich die Gruppe weiter bewegt. Wir hatten schon bald Funkkontakt und nach nur zwei Stunden durch den dichten Bambus- und Nebelwald hatten wir sie gefunden.

BerggorillasBerggorillasBerggorillas

NahaufnahmeZuerst konnten wir sie im dichten Bambusdickicht kaum sehen, dann aber bewegten sich einige Affen auf eine Lichtung und wir konnten sie in Ruhe beim Frühstück beobachten, es gab frische Bambussprossen. Von den sieben Metern Mindestabstand war keine Rede mehr, manchmal hätte es asugereicht, den Arm auszustrecken, um sie berühren zu können. Die Gorillas schienen unsere Gegenwart aber nur zu dulden. Der Silberrücken, der Anführer der Gruppe, brach aus dem Gebüsch und machte mit ein paar eindeutigen Gesten gleich zu Anfang klar, wer der Herr im Hause ist. Danach entfernten sie sich zwar nicht, drehten uns aber demonstrativ meist den Rücken zu. Und schon war die Stunde um, auf die Minute genau wurden wir gebeten, ein letztes Foto zu machen und uns zurückzuziehen.

BerggorillasBerggorillas

Anschließend ging es ohne großen weiteren Aufenthalt wieder zurück, zwar war der Regen zwischenzeitlich in einen Niesel übergegangen, aber wir merkten nach dieser aufregenden Stunde jetzt plötzlich, wie durchfroren und durchnäßt wir waren, nicht wirklich in der Stimmung für ein Picknick. Und spätetens jetzt wunderten wir uns nicht mehr, warum keiner der Guides und sonstigen Begleiter Wanderschuhe, sondern allesamt Gummistiefel trugen. Glitschig und matschig ging es bergab, bis wir kurz nach Mittag wieder die Autos erreichten. Immerhin hatten wir das Glück, die Schuhe nicht mehr gründlich reinigen zu müssen, weil wir sie angesichts des bevorstehenden Platzmangels im Rucksack einfach verschenken konnten.

Insgesamt war Ruanda für uns ein ganz besonderes Land, klimatisch und landschaftlich ist es sowieso ganz anders als die bisherigen Länder, die jüngere Geschichte des Völkermordes 1994 ist ebenfalls immer präsent und sorgte bisweilen neben dem tristen Wetter für eine ganz besondere Stimmung, aber letztlich bleibt der Besuch der Berggorillas als ein besonderes Erlebnis bestehen, das man nur einmal im Leben hat. Und in Ruanda haben wir die schwere Entscheidung, das Auto abzugeben, in die Tat umgesetzt, womit die Reise zwar noch nicht zu Ende ist, dies aber nun unvermeidlich bevorsteht.

das letzte Foto von uns mit dem AutoGepäckreduzierung nach dem Verkauf des AutosLandschaft in Ruanda