
Bereits in Botswana bemerkten wir, dass mit der Lenkung des Autos schon wieder was nicht stimmte. Offensichtlich hatte auch die sechste Nachbesserung in Namibia keine endgültige Besserung erbracht. Zwar war noch alles dicht, aber die Reifen bewegten sich wieder seitwärts - einzeln wohlgemerkt. So besuchten wir ein nettes Städtchen namens Upington, das uns vor allem duch seine unglaublich hohe Anzahl an Geschäften für Autozubehör auffiel. Nebenbei gab es dort aber auch eine Partnerfirma unserer namibischen Werkstattfreunde. Dort führten wir den Wagen vor, mit dem Ergebnis, dass nun auf Kosten des Hauses ein neues Ersatzteil aus Europa bestellt wurde, auch der Einbau sollte bezahlt werden, daran konnte sich allerdings später niemand mehr erinnern. Die Lieferung sollte drei Wochen dauern, was aber nicht schlimm war, denn wir hatten geplant, sowieso die Kinder hier zu Besuch zu bekommen und etwas länger im Land zu bleiben. Genau zu dem Zeitpunkt wenn sie in Johannesburg ankommen sollte das Ersatzteil dann eingebaut sein. Drei Wochen, um nach Johannesburg zu kommen sind auch nicht wirklich viel, wenn die Fahrt via Kapstadt gehen soll.
So ging die Reise erstmal in Richtung Westen mehr oder weniger entlang des Orange River und dann weiter Richtung Süden. Wir besuchten den Augrabies-Wasserfall und einige nette Dörfer und Kleinstädte, die für uns besonders interessant waren, weil wir gerade zuvor das Tagebuch eines Entdeckungsreisenden gelesen hatten, der durch diese Gegend kam, als die ersten Siedlungen in der Gegend gerade gegründet worden waren. Allein die Fahrt bis Kapstadt dauerte trotz der sehr guten, asphaltierten Straßen fast eine ganze Woche. Das mag wohl neben den großen Entfernungen auch daran liegen, daß wir bei den guten Straßen zwar komfortabler, aber auch nicht wesentlich schneller vorankommen als sonst. Dafür wurde es zunehmend frischer. Die letzten Tage vor dem Kap kamen wir uns vor wie in Holland. Traditionelle und auch aktuelle Architektur, aber vor allem das windige, kühle Wetter ließen uns wie daheim fühlen. Das aus Sicherheitsgründen wahrscheinlich für einige Zeit letzte Bushcamp am Strand genossen wir nach einem kurzen Spaziergang lieber vom Auto aus; auch nur mit den Zehenspitzen ins Wasser zu gehen ist undenkbar. Nicht weil wir mittlerweile so verweichlicht wären, sondern weil hier wirklich eiskaltes Antaktiswasser vorbei kommt.
Der wundervolle Blick auf Kapstadt und den Tafelberg ließ uns den frischen Wind vergessen und wir genossen einem beschaulichen sonntäglichen Nachmittag in der Stadt. Alle Geschäfte in der Innenstadt hatten geschlossen, es gab kaum Verkehr, man kann Sonntags praktisch parken wo man will, Touristen waren auch keine zu entdecken (die bescränkten sich wohl alle auf die Einkaufszentren, vor allem das wunderschön direkt am Hafen gelegene) und wir machen einen langen Spaziergang. Der sollte eigentlich mit einem Besuch in einem Cafe enden, aber leider waren die auch alle geschlossen.

![]()
Wir verbrachten noch zwei weitere Tage in der Stadt und fuhren dann noch ein kleines Stück weiter Richtung Süden.Denn wer ganz Afrika durchquert kann nicht umdrehen, ohne das Kap der Guten Hoffnung besucht zu haben. Ein eher symbolischer Ort, den wir quasi im Laufschritt besuchen; uns war nicht klar, dass wir kurz vor Feierabend den das Kap umschließenden Naturpark betreten hatten, so daß uns gerade mal Zeit für einen Aufstieg zum Leuchtturm und das obligatorische Foto blieb. Wir vergessen immer wieder, dass es um sechs Uhr nachmittags bereits stockfinster ist. Da fährt man monatelang durch die Gegend, nur um sich am anderen Ende des Kontinents auf den letzten Metern beeilen zu müssen. Nun ja, so bleibt es sicher besonders in Erinnerung, denn wir hatten wenig Lust, am uns nächsten Tag den gleichen Ort nochmal anzusehen. Stat dessen fuhren wir nun gemütlich entlang der Küste zum eigentlichen Wendepunkt der Reise. Der südlichste Punkt des Kontinents, Cape Agulhas, ist ein verschlafenes Dorf mit einem Leuchtturm, das einem englischen Film entsprungen sein könnte.

Überhaupt, wir fühlten uns gar nicht mehr wie in Afrika. Daran war nicht nur die relativ große (und zu einem großen Teil übergewichtige) weiße Bevölkerung schuld, sondern einfach alles. Vegetation, Klima, und das gesamte Straßenbild bis hin zu den großen maschinell bestellten Feldern, wirken sehr europäisch. Nur die Bottlestores mit den davor herumhängenden Leuten erinnern uns daran, wo wir sind und welche Konflikte es im Land gibt. Aufregend wurde es dann aber doch noch. Nicht ganz zufällig fuhren wir über die Bloukrans-Brücke - auf meiner Liste der Dinge, die ich noch zu tun hatte stand nämlich auch ein Bungee-Sprung. Und - wenn schon denn schon - warum soll es dann nicht gleich ein Sprung von der höchsten einspannigen Brücke Afrikas und damit der (laut eigenen Angaben) tiefste Fall der Welt sein? Was sind schon 216 Meter wenn man sich kopfüber mit nur einem Gummiband an den Füßen hinabstürzt?
Teresa zweifelte erst noch, fasste sich dann aber doch ein Herz und war schließlich viel mutiger als ich. Wer sie springen sehen möchte, hier gibt es das Video. Mir wurde schon mächtig mulmig als wir über einen Eisenrost mit freiem Blick nach unten in die Mitte der Brücke gingen, und ich wurde immer stiller als man mir das Gummi um die Beine schlang. Nachdem ich noch ein paar letzte Worte sagen durfte musste ich auch schon an die Absprungkante hoppeln und bevor ich mich versah war der kurze Countdown auch schon zu Ende. Fünfvierdreizweieins (auf deutsch) und mir rutschte das Herz in die Hose als ich realisierte, dass ich tatsächlich gesprungen war. Wahrscheinlich machen die den Absprung so flott, damit keiner in der letzten Sekunde noch Panik bekommt. Nachdem meine Paniksekunde während des Flugs vorbei war konnte ich den Rest des Sprunges genießen und schon viel zu früh bremste mich viel sanfter als erwartet das Gummiband. Beim ersten mal wird man fast wieder bis auf die Höhe der Absprungstelle geschleudert und diesmal konnte ich kopfüber den Blick auf den indischen Ozean und die sich mir nähernden Baumwipfel richtig genießen. Als mich schließlich irgendwo zwischen Himmel und Erde ein Mitarbeiter (der passenderweise Spider hieß) einfing, damit ich wieder hinaufgezogen werden konnte, war ich noch ganz neben mir; Teresa dagegen, die zuvor vor lauter Aufregung nichts hatte essen können, wirkte die ganze Zeit total entspannt, sprang locker mal eben von der Brücke und flachste schon beim Raufziehen mit Spiderman herum. Ich dagegen fühlte mich erst Stunden später wieder halbwegs normal - aber ich wollte mehr. So konnte ich Teresa überreden gleich am nächsten Tag einen Swing zu machen. Dabei ist ein normales Kletterseil (na ja, zur Sicherheit sind es zwei) vielleicht 50 Meter voraus auf der Höhe der Absprungstelle und an einem selbst mit einem normalen Brust- und Hüftgurt befestigt. Man springt und fällt erstmal herunter, bis das Seil gespannt ist und man knapp über dem Boden und ganz schön schnell nach vorne schwingt. Also so ähnlich wie wenn man auf dem Kinderspielplatz zu hoch schaukelt - nur in etwas größerem Maßstab. Und der Grund warum wir das machen wollten ist, daß man sich zu zweit hinunterstürzen kann. Wir fielen knapp 50 Meter gemeinsam in die Tiefe bevor das Seil uns auffing und diesem einzigartigen Erlebnis nochmal so richtig Schwung gab.Damit reichte es uns beiden dann aber auch, wir wollten zwar die Kinder bei ihrem bevorstehenden Besuch mit so einem Sprung überraschen, hofften aber, nicht selbst auch noch mal springen zu müssen. Wir machten uns auf den langen Weg nach Johannesburg, voller Vorfreude, Yari und Michela nach acht Monaten wiederzusehen. Mit ihnen fuhren wir in Richtung Krüger Nationalpark, was eine ganz schön lange Gurkerei war. Dafür war aber der Sprung in die Schlucht von Graskop ein voller Erfolg.
Anschließend ging es in den Park, und schon bald hatten wir die 'big 5' gesehen. Einen Leoparden gleich zu Anfang, als wir eine Nachtpirschfahrt machten, dann in den nächsten beiden Tagen auch die anderen - Elefant, Löwe, Büffel und Nashorn. Dazu kamen noch ein paar Krokodile, Nilpferde, unzählige Antilopen, Zebras, einige Affen und Giraffen. Mehr Löwen wären schön gewesen, aber das hat nicht sollen sein. Als Kontrastprogramm zum wohlhabenden Südafrika wollten wir nun ein paar Tage ins benachbarte Mosambik. Hier ist nicht mehr alles ordentlich und gepflegt, sondern man sieht auf den ersten Blick, daß es gleich um die Ecke viel Armut gibt, aber das gehört nun mal auch dazu; dafür gibt es aber auch farbenfrohe Märkte und lachende Gesichter am Straßenrand. In Südafrika sind die Townships no-go Gebiete für Weiße, insbesondere für Touristen, sofern sie nicht von einem Guide begleitet werden. So kann leicht ein etwas einseitiges Bild des 'weißen Südafrikas' entstehen. Wir verbrachten ein paar Tage in Maputo und am Strand und fuhren dann durch Swaziland nach Durban, um den Rest des Urlaubs in den Ferienorten an der Küste zu verbringen. Wir hatten uns allerdings etwas verschätzt in unseren Erwartungen an die südafrikanischen Ferienorte am Strand, leider gab es nicht so viel touristische Infrastruktur wie wir sie uns diesmal gewünscht hätten. So verbrachten wir die Zeit etwas näher an Durban und konnten immer wieder die Wohltaten der Stadt genießen, wie große Einkaufszentren, ein Casino, das Aquarium und eine künstliche stehende Welle zum surfen. Apropos surfen - wir wunderten uns schon etwas, als wir ganz in der Nähe des Strands Wale vorbeiziehen sahen und Delfinen zusehen konnten, wie sie in den Wellen ihren Spass hatten. Müßten die Hainetze diese Tiere nicht ebenfalls draußen halten? Wir fuhren danach lieber öfter zur künstlichen Welle. Aber schon bald neigte sich die Zeit dem Ende zu und die Reise ging wieder zurück nach Johannesburg.
Und wie um das Urlaubserlebnis abzurunden, aber ohne uns dabei ein Trauma mitzugeben, wurde an unserem letzten Abend, während wir gemütlich zum Essen ausgegangen waren, unser Hotel von bewaffneten Räubern überfallen. Wir kamen gerade nocht rechtzeitig heim, um die Polizei im Hof stehen zu sehen und die Berichte der verstörten anderen Gäste anzuhören, von denen sich zum Glück keiner als Held auszeichnen wollte und so noch alle lebendig waren. Johannesburg - crime capital. Wir brachten tags drauf die Kinder zum Flughafen, kümmerten uns um die Reparatur des Autos - das Ersatzteil war als wir vier Wochen zuvor in Johannesburg ankamen weder angekommen noch überhaupt bestellt worden - und machten alles fit für die Weiterreise nach Mosambik. Fast zwei Monate verbrachten wir in Südafrika und haben in der Zeit fast 9000 km zurückgelegt. Ohne den Besuch wären wir niemals so lange hiergeblieben; es war nett, es hat landschaftlich und kulturell seine Reize, und war erholsam in Sachen Sauberkeit und Konsum, aber wir sind froh, jetzt wieder los zu kommen. Auffällig ist -
Hier geht's zu den Fotos