
Bananen so weit das Auge blickt. Erst beim genaueren Hinsehen entdecken wir auch Maniok, Ananas und die anderen üblichen Feldfrüchte. Das südliche Hochland ist landschaftlich sehr schön, auch sehr fruchtbar und entsprechend dicht besiedelt. 'sör, gi me mone' ist das erste was wir überall zu hören bekommen - und womit unsere Wertschätzung der diesbezüglich viel zurückhaltenderen und bedürftigeren Malawis rapide anstieg. Und das von Alt und Jung, ganz ohne
Vorrede und Scheu, obwohl es den Leuten hier eindeutig und deutlich besser geht als im benachbarten Malawi. Aber das wissen die Leute ja vielleicht nicht. Wir besuchten die Sehenswürdigeiten derGegend, einen Wasserfall und eine natürliche Brücke über einen kleinen Fluß, jeder mag selbst entsccheiden, ob diese eine lange Anreise in diesen abgelegenen Landesteil lohnen. Wir jedenfalls waren sowieso da, nutzten die Gelegenheit, und sagten uns anschließend, daß man nicht alles unbedingt ansehen muß nur weil es im Reiseführer beschrieben ist. Es mag aber auch daran gelegen haben, daß wir endlich mal wieder Platz um uns herum haben wollten; seit Wochen sahen wir keinen Fleck, wo wir nicht innerhalb von Sekunden umzingelt waren wenn wir stehenblieben. Und hier wie schon beschrieben viel öfter als sonst ohne die sonst übliche vorherige Konservation um Geld gebeten wurden. Wir waren zugegebenermaßen etwas genervt von den ewig gleichen Dialogen.
So warteten wir nicht länger ab und machten uns auf den Weg in Richtung Norden, in Richtung des Afrikas wie man es aus unzähligen Filmen kennt. Savanne, wilde Tiere, im Hintergrund ein paar Akazien oder den höchsten Berg Afrikas mit seinem (noch) schneebedeckten Gipfel, oder am besten alles auf einmal. Da wir aber eine der wenigen alpshaltierten Straßen benutzen wollten führte uns unser Weg praktisch an der Küste vorbei, wo wir einige Tage Pause einlegten.
Bagamoyo ist eine alte Handelsstadt, die von arabischen Händlern gedründet wurde und sogar eine Zeitlang die Hauptstadt des damaligen deutsch Ostafrika war. Außerdem starteten von hier aus die damaligen Expeditionen von Burton, Stanley und anderen ins Innere Afrikas. Heute zeugen nur noch einige Ruinen von der früheren Bedeutung der Stadt; es gibt ein paar recht große, sehr verfallene Verwaltungsgebäude, ein paar alte Häuser mit kunstvoll verzierten massiven Türen nach arabischer Tradition, und mittlerweile auch zwei einigermaßen exklusive Hotelanlagen, die sich aber gut ins Landschaftsbild einfügen. Baden gehen oder gar halbnackt am Strand in der Sonne braten mag man aber dennoch nicht, höchstens am Hotelpool, denn es gibt kaum touristische Atmosphäre. Zwar gibt es ein paar Buden mit Holzschnitzereien, aber weiter eben nichts, was die Stadt zu einem angenehmen Aufenthaltsort macht. Keine penetranten Verkäufer für allerlei Waren, keine bettelnden Kinder, nur eine flache, palmengesäumte Bucht, in der malerisch die Fischerboote liegen und entlang der abends die jungen Paare flanieren und die Kinder spielen.
Gut erholt verließen wir die Asphaltstraße, um die Massai-Steppe zu durchqueren. Weder Karte noch Reiseführer enthielten irgendwelche Informationen über die Gegend, außer ihrem Namen, also mußten wir dort hin. Der Name versprach Programm, allerdings wurden wir zunächst enttäuscht. Die ersten beiden Tage gurkten wir entlang einer sehr schlechten Piste durch hügelige Landschaft, mit vielen Feldern zwischen dem sonst vorherrschenden Wald. Ein Dorf folgte dem nächsten und wir hatten Mühe, Plätze zum Schlafen zu finden. Dann aber, mit einem unbeabsichtigten Knick in der Route, änderte sich das Landschaftsbild und es wurde offener, trockener und leerer. Unbeabsichtigt war der Knick weil wir einem Massai, der uns mit der Geschichte beeindruckt hatte, einen Löwen erlegt zu haben, nicht abschlagen konnten, ihn nach Hause zu bringen und auf dem Rückweg auf eine andere Piste gerieten. Da keine der Pisten auf irgend einer Karte verzeichnet war bemerkten wir erst Stunden später unseren Irrtum, und folgten einfach dem Weg, der uns noch einen extra Tag in dieser schönen Gegend bescherte. Aber irgendwann neigten sich Wasser- und Dieselvorräte dem Ende und wir gelangten nach Arusha, wo es uns nicht sonderlich gefiel und wir glech weter nach Moshi fuhren, um den Kilimanjaro zu sehen, den mit fast 6000m höchsten Berg Afrikas.
Der aber versteckte sich. Über mehrere Tage hinweg war nicht mehr von ihm zu sehen als der flach ansteigende Bergfuß. So begnügten wir uns mit dem gegen Abend wolkenfreien Mt.Meru, direkt in der Nachbarschaft und später dann dem heiligen Berg der Massai, dem Ol Doinyo Lengai und seiner Nachbarn. Diese konnten wir auf unserem Abstecher in die Gegend des Lake Natron bewundern. Am Rande der Ngorongoro Conservation Area leben nicht mehr ganz so viele wilde Tiere, aber das Leben der Einheimischen ist noch sehr abgeschieden, auch weil sich im Verhältnis zu den umliegenden Gebieten kaum Touristen hiereher begeben. Der Ngorongoro-Krater wird immerhin von jährlich rund 300.000 Besuchern passiert, der Kilimanjaro täglich von mehreren hundert Touristen 'bezwungen', und das obwohl sich das Tansania Tourist Board bewusst gegen Massentourismus entschieden hat und sich die Eintritts- und Übernachtungspreise in einer Größenordnung bewegen wie wir es sonst nur noch in Gabun erlebt hatten. Wir wählten für unsere Rundfahrt eine Route, die im Reiseführer als nicht mehr befahrbar angegeben wurde, wir aber fest annahmen, daß sich das in den letzten 10 Jahren seit seinem Erscheinen sicher geändert habe. In der ersten Hälfte der Strecke schein das auch so, wir genossen großartige Aussichten, wunderbare Einsamkeit und eine gute wenn auch streckenweise staubige Piste. Danach wurde der Genuß nicht weniger, wurde aber gewürzt von einigen Durchquerungen von tiefen Erosionsrinnen. Aber mittlerweile kann uns so etwas nicht mehr schrecken, was solche Sachen angeht ist unser Auto nicht zu schlagen.
Auf dem Rückweg kamen wir just mit dem Erreichen der Hauptpiste an einem Dorf vorbei, wo wir nicht mitten durch die am Fluß versammelten Leute fahren wollten, sondern um ein Haus herum an ihnen vorbei fuhren. Das war ein Fehler, denn so standen wir plötzlich vor einer Schranke und man forderte eine Gate-fee, also Wegezoll. Wenn man die Schranke in der anderen Richtung passiert kann man sogar auf einem Schild lesen, dass der weitere Weg entlang der Straße zum Lake Natron Geld kostet. Das hat sich die lokale Ortsverwaltung so ausgedacht, wenn doch rundherum in den Nationalparks kassiert werden kann, warum nicht hier auch? Wir jedoch sahen es nicht wirklich ein, für einen Umweg um ein Haus herum zu zahlen, zumal wir gar nicht am See waren, und kehrten um. Wir machten einen großen Bogen, querten irgendwann das Flußbett des hier schon versickerten Flusses, und stießen Stunden später wieder auf die furchtbare Wellblechpiste. Es ist zugegebenermaßen schön, fahren zu können wohin man will, ohne großartig eingeschränkt zu sein, ob der Weg nun eine Stunde oder ein paar Tage dauert, oder ob die Straße asphaltiert ist oder sich irgendwann in der Halbwüste verläuft.
Und hier mußten wir eine große Entscheidung treffen. Wo wollten wir einen großen Teil des Reisebudets anlegen? In einem Besuch der Serengeti und des Ngorongoro-Karters, einer Besteigung des Kilimanjaro, sozusagen als dem Gipfel der Reise, oder womöglich nochmal einen riesigen Schlenker machen und rund um den Viktoria-See fahren, nur um ein paar Affen zu sehen. Alles ging definitiv nicht, das hätte die Reisekasse nicht hergegeben. Den Besuch der Wildparks wegzulassen war die erste Option, wir hatten auf der Reise schon einige Parks besucht und auch wenn der Klang des Namens Serengeti fast unwiderstehlich ist, war gerade jetzt auch nicht die beste Zeit für einen Besuch, weil die Bewegung der großen Tiermigration im September weit im Norden stattfindet. So bestand die Qual der Wahl zwischen einer einwöchigen Bergtour und dem sicher unvergesslichen Erlebnis, sich Auge in Auge mit einem riesigen Silberrücken zu befinden.
Und wir haben uns für die Berg-Gorillas in Ruanda entschieden, trotz einer mehrtägigen Anreise über schlechte Pisten. Schon nach den ersten Stunden begannen wir bereits zu zweifeln, ob das die richtige Wahl gewesen war; bei jedem der klapprigen Busse, die mit Höchstgeschwindigkeit an uns vorbeirauschten und uns minutenlang in dichten Staub hüllten, während wir verzweifelt versuchten, schnell genug die Fenster hochzukurbeln und dabei letztlich wieder eine Kurbel abbrachen. Als wir dann abends auch feststellen mußten, daß wieder ein Federblatt gebrochen war, sank die Moral endgültig - bis wir gemütlich beim Abendessen saßen und den klaren Nachthimmel und die leichte warme Brise genossen.
Am nächsten Tag sah die Welt schon wieder anders aus, der Verkehr wurde weniger, wir durchfuhren eine schöne Landschaft und erreichten tags drauf sogar einen Ort, an dem wir eine neue Fensterkurbel auftreiben und das Federblatt schweißen lassen konnten, außerdem begann überraschenderweise schon hier die Asphaltstraße, die uns bis an unser Ziel führen sollte.
Im letzten größeren Ort vor der Grenze warfen wir zufällig noch mal einen Blick in den Reiseführer und lasen, dass es in Ruanda gar keine Geldautomaten gibt, die internationale Karten akzeptieren. So mußten wir noch mal eben reichlich Geld abheben, was wir dann in Dollar wechseln würden, um die immerhin 500 US$ pro Person für eine Stunde bei den Gorillas zahlen zu können. Diese Wechselei erledigten wir an der Grenze, das Feilschen zog sich aber so lange hin, dass wir beinahe nicht mehr abgefertigt werden konnten; Teresa kam mit irgendwelchen Dokumenten nach als ein Beamter ihr plötzlich zurief, sie solle stramm stehen. Sie hielt das für einen Scherz, der von den Offiziellen aber wohl nicht so gemeint war, denn einer kam ihr hinterher, um ein ernstes Wörtchen mit ihr zu reden, in Tansania haben nämlich ALLE strammzustehen, wenn die Landesfahne abends eingezogen wird. Das soll mal einer wissen, die meinten, dass wir wenn wir ihr Land besuchen, uns gefälligst vorher über die Regeln schau machen sollten. Na ja, jetzt wissen wir's und ihr auch, für den Fall, dass euch das gleiche mal passiert.
Die Ruander auf der anderen Seite des Grenzflusses waren da viel lockerer. Teresa bekam 'formlos' ein provisorisches Visum für 60 US$ ausgestellt, die der Beamte wegsteckte und uns anschließend nervös weiterschickte, der andere gab sich mit der grünen Versicherungskarte als Versicherungsnachweis für's Auto zufrieden, und die Soldaten kamen auch nur mal kurz vorbei um zu schauen, ob wir auch kein Problem hätten, als sie uns an unserem Übernachtungsplatz wenige hundert Meter weiter besuchen kamen.
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